ESA
Vier Jobs im All zu besetzen

Gesucht: Männer und Frauen zwischen 27 und 37 Jahren. Ausbildung: Naturwissenschaftler/in, Ingenieur/in, Mediziner/in oder Pilot/in, drei Jahre Berufserfahrung erwünscht. Künftiger Arbeitsplatz: die Raumstation ISS, der Mond oder irgendein sonstiger Platz im Universum. So weit die Kurzbeschreibung für die vier exklusiven Jobs, die die Europäische Raumfahrtagentur Esa seit dieser Woche ausschreibt.

BERLIN. Die Space-Mission ist eine epochale: "Nach der Erforschung der Erde ist die Erforschung des Weltraums der logische nächste Schritt", macht Daniel Sacotte, Direktor der Esa für die bemannte Raumfahrt, die Dimension klar. "Dafür brauchen wir eine neue Generation von Entdeckern, die in die Fußstapfen ihres berühmten Vorgängers Kolumbus treten und zu diesen neuen Welten aufbrechen."

Eine solche Chance bietet sich zumindest im alten Europa nur alle paar Jahrzehnte: Das erste Mal heuerte die Europäische Weltraumorganisation 1978 junge Leute für die Raumfahrt an, das zweite und bisher letzte Mal konnte man sich 1992 um einen Astronautenjob bewerben. Die Raumfahrtagentur in Köln rechnet mit entsprechendem Massenandrang von weit mehr als 10 000 Bewerbern. Die Chancen stehen also bestenfalls 2500 zu eins.

Derzeit arbeiten acht Astronauten im European Astronaut Centre der Esa in Köln, die Online-Bewerbungsfrist für die vier Zusatzjobs läuft bis zum 15. Juni. Der Anstellungsvertrag als Raumfahrer wird jedoch frühestens zehn Monate später unterschrieben. Denn vor dem Ticket ins All liegt ein Bewerbungsmarathon. Die Esa hält sich die Personalauswahl offen: Auch wer aus einem anderen Metier als den genannten kommt, solle sich nicht entmutigen lassen, heißt es auf der Homepage: "Generell gilt: Egal, was Sie studiert haben, Sie sollten gut darin sein." (» www.esa.int/Specials/Astronaut_Selection/index.html)

Auch müssen die Anwärter - Schwerelosigkeit und Überschallgeschwindigkeit zum Trotz - keine Spitzensportler sein. "Normale" körperliche Fitness genüge, heißt es aufmunternd. Selbst Brillen oder Kontaktlinsen sind nicht unbedingt ein K.o.-Kriterium - Hauptsache, sie sorgen für 100-prozentige Sehfähigkeit. Raucher oder sonstige Drogenabhängige können sich die Bewerbung allerdings sparen.

Auf der Anforderungsliste stehen zudem: "gutes Gedächtnis, Fähigkeit zum logischen Denken, Konzentration und räumliche Orientierung sowie Fingerfertigkeit". Englisch in Wort und Schrift ist ein Muss. Russischkenntnisse sind hilfreich, schließlich ist es die zweite offizielle Sprache.

Wer es schafft, den erwartet lebenslanges Training. Allein die drei Ausbildungsphasen, bis überhaupt an einen ersten Flug zu denken ist, dauern dreieinhalb Jahre. Auch danach verbringt ein Astronaut mindestens die Hälfte seines Berufslebens mit Vorbereitung. Dazu kommt, dass die Esa derzeit nur alle zwei Jahre zur internationalen Raumstation ISS fliegt, auf der vor allem wissenschaftliche Experimente stattfinden. Das sei jedoch "die beste Vorbereitung für die Erforschung des Mondes und des Mars", heißt es verheißungsvoll.

Die Werbebroschüre verschweigt jedoch nicht, dass der ISS-Job kein Weltraum-Spaziergang ist: Zwölfstundentag, statt Dusche nur feuchte Tücher, frische Wäsche alle drei Tage, T-Shirts einmal in der Woche. Schlafen im festgezurrten Schlafsack, Toilettengang angeschnallt mit angeschlossenem Spezialstaubsauger.

Ach so, die Bezahlung: Astronauten-Anfänger verdienen A2, rund 4500 Euro im Monat, Fortgeschrittene A3. Das Spitzengehalt für einfache Raumfahrer liegt bei 6300 Euro (A4) - aber erst nach dem ersten Ausflug ins All - oder genauer: mindestens 100 Kilometer von der Erde entfernt.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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