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Eschede-Hinterbliebene streiten um Geld

In Berlin hat der erste große Schmerzensgeldprozess nach der Katastrophe von Eschede begonnen. Die Bahn sieht sich mit hohen Forderungen konfrontiert. Ein versuchter Vergleich ist gescheitert.

rtr BERLIN. Vor dem Berliner Landgericht hat am Mittwoch der erste große Zivilprozess um Schmerzensgeldforderungen von Hinterbliebenen der ICE-Katastrophe von Eschede mit 101 Toten begonnen. In dem Musterverfahren verlangen sechs Kläger, die bei dem Zugunglück Ehepartner oder Kinder verloren haben, von der Deutschen Bahn AG Schmerzensgelder in Höhe von jeweils bis zu 250 000 ?.

Ein von den Richtern angeregter Vergleich mit der Deutschen Bahn ist gescheitert. Die Richter hatten vorgeschlagen, dass die Bahn bis zu 500.000 Euro an die Interessengemeinschaft "Selbsthilfe Eschede" zahlen soll. Ein Vertreter der Bahn sagte, er könne zu dem Vorschlag nichts sagen. Man werde ihn aber erörtern. Der zum Prozess geladene Bahn-Chef Helmut Mehdorn war nicht erschienen war. Er habe der Verhandlung "wohl nicht die Bedeutung beigemessen, die notwendig gewesen wäre", sagte Richterin Elisabeth Seeburg. Die 23. Zivilkammer wollte am Nachmittag eine Entscheidung in dem Rechtsstreit verkünden.

Bei dem schwersten Eisenbahnunglück der deutschen Nachkriegsgeschichte war am 3. Juni 1998 der ICE 884 "Wilhelm Conrad Röntgen" im niedersächsischen Eschede wegen eines gebrochenen Radreifens entgleist. Die Kläger werfen der Bahn ein "schwer wiegendes Organisationsverschulden" und grob fahrlässiges Verhalten vor. Die Bahn hatte nach dem Unglück für jedes Todesopfer 30 000 DM (15 340 ?) als "besondere Zuwendung" überwiesen. Dies ist aus Sicht der Kläger viel zu wenig.

Vor Beginn der unter großem Medieninteresse laufenden Verhandlung schlossen es Verfahrensbeteiligte nicht aus, dass die 23. Zivilkammer den Prozess aussetzt, bis das Strafverfahren um das Eschede-Unglück beendet ist. Voraussichtlich im August soll vor dem Lüneburger Landgericht der Prozess gegen zwei Mitarbeiter der Bahn und einen Ingenieur der Bochumer Radherstellerfirma beginnen. Sie sollen dafür verantwortlich sein, dass ein nicht ausreichend getesteter Radtyp im ICE eingesetzt wurde.

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