Eskalation auf der Hauptversammlung
Mobilcom-Aktionäre entlasten Schmid nicht

France Télécom hat MobilCom-Chef Gerhard Schmid einen weiteren Nackenschlag verpasst. Mit den Stimmen des französischen Großaktionärs verweigerte die MobilCom-Hauptversammlung am Donnerstag in Hamburg dem Vorstandschef die Entlastung. Knapp 86 Prozent des anwesenden Kapitals stimmte gegen Schmid.

dpa HAMBURG. Der Mobilcom-Gründer selbst, der gemeinsam mit seiner Frau über eine Mehrheit in der Hauptversammlung verfügt, durfte nicht mitstimmen. Die fehlende Entlastung zieht allerdings keine gravierenden Konsequenzen nach sich.

Zuvor hatten Aktionäre Schmids Rückzug aus dem Amt des Vorstandssprechers gefordert, nachdem zu Beginn der Versammlung Verstöße des Mobilcom-Chefs gegen das Aktienrecht bekannt geworden waren. Schmid lehnte einen Rücktritt ab. Der Aufsichtsrat hatte in einer Nachtsitzung festgestellt, dass Schmid bei einem MobilCom - Geschäft mit der Firma seiner Ehefrau seinen Finanzvorstand nicht informiert und Zahlungen ohne Vertragsgrundlage und Sicherheiten geleistet hatte. Der Aufsichtsrat machte das gesamte Geschäft rückgängig.

Schmid bedauert sein Verhalten

Selten hatten die Aktionäre den MobilCom-Gründer so kleinlaut gesehen. "Es tut mir leid. Ich habe das so nicht realisiert", sagte Schmid vor den knapp 500 Aktionären. Er werde sicherstellen, dass dem Unternehmen kein Schaden entstehe. Die Firma Millenium GmbH von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram hatte 3,6 Millionen Aktien für ein Optionsprogramm zur Verfügung gestellt, mit dem Händler zum Verkauf von Mobilcom-Produkten motiviert werden sollten. Großaktionär France Télécom hatte den Verdacht gehegt, dass hier ein verbotenes Insidergeschäft vorliege. Dieser Verdacht wurde durch ein Gutachten der Prüfungsgesellschaft BDO nicht bestätigt. France Télécom wollte auf der Hauptversammlung zunächst ein weiteres Gutachten erwirken, zog den Antrag nach einer längeren Unterbrechung aber wieder zurück.

Die Hängepartie um den Verkauf seiner Anteile kommentierte Schmid nur knapp. Es gebe Anzeichen für "Fortschritte bei der bilanzverträglichen Refinanzierung von MobilCom bei France Télécom". Die Ausführungen von Schmid stießen bei den Vertretern von Aktionärsvertretern auf wenig Beifall. "Ich bin wenig klüger als vorher", sagte Dirk Unrau von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Auch auf Nachfragen wurde nicht klar, wann Schmid seine Anteile abgibt und ob die Kleinaktionäre mit einer Abfindung rechnen können. Es existiere keine vertragliche Abmachung mit France Télécom, dass sie die Aktien zu einem Preis von 22 Euro übernimmt. Er habe lediglich seine Bereitschaft erklärt, die Aktien zu diesem Preis abzugeben, sagte Schmid.

Gespaltene Gefühle

Zurückhaltung, vor allem aber gespaltene Gefühle prägten die Stimmung im Saal, als Schmid und sein Finanzchef den Aktionären Rede und Antwort standen. "Herr Schmid muss kleinere Brötchen backen", sagte Aktionär Rolf Stoecker aus Hamburg. Ganz ähnlich sah das auch Investor Rudolf Silberhorn. Der Hamburger, der sich selbst als "Aktionär der ersten Stunde" bezeichnet, hatte den starken Beschuss Schmids geahnt. Silberhorn: "Insgeheim wusste schon jeder, was zu erwarten war". Vor allem die Querelen um die UMTS-Lizenzen beschäftigten die Kleinaktionäre. "Die ganze UMTS-Geschichte wurde zu spät erkannt", meinte Silberhorn. Von seinen anfangs 300 Aktien hält der Hamburger derzeit nur noch acht Stück. Der Kurs der Papiere sackte während der Hauptversammlung von 17 auf unter 14 Euro.

Schmid hingegen hält an seinen Visionen für den neuen Mobilfunk- Standard UMTS unverändert fest. Der gesamte Markt werde neu verteilt; Mobilcom habe durch die neue Technik enorme Wachstumschancen. Erstmals berichtete der MobilCom-Chef auch von der aussichtsreichen Bewerbung um einen Großauftrag der Bundeswehr, der allein rund zwei Milliarden Euro Umsatz für MobilCom bringen könnte. Die mögliche Insolvenz seines Unternehmens ist für Schmid "nur eine theoretische Möglichkeit". Er habe keinen Anlass, sich damit intensiv zu beschäftigen. Er bestätigte allerdings, dass MobilCom fällige Großkredite über 4,7 Mird. ? nur ablösen kann, wenn France Télécom dafür einsteht. Andernfalls muss Mobilcom in die Insolvenz.

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