Eskalation der Gewalt soll verhindert werden
Nato erhöht Druck auf Konfliktparteien in Mazedonien

In der Nato wird erstmals öffentlich über ein militärisches Eingreifen in Mazedonien debattiert. Auf dem informellen Nato-Gipfel anlässlich des Besuches von US-Präsident George W. Bush am Mittwoch in Brüssel sagte Frankreichs Präsident Jacques Chirac, die Allianz dürfe keine Option ausschließen, um eine Eskalation der Gewalt bis hin zu einem Bürgerkrieg zu verhindern.

Reuters BRÜSSEL. Bundeskanzler Gerhard Schröder vertrat auf dem Gipfel indes die Ansicht, militärisch lasse sich die Krise in Mazedonien nicht lösen. Nato und Europäische Union (EU) müssten auf substanzielle Ergebnisse im innenpolitischen Dialog in Mazedonien dringen.

Chirac sagte: "Wir sollten klar signalisieren, dass wir eine neue Spirale der Gewalt und der Intoleranz nicht hinnehmen, die die Stabilität der gesamten Region gefährden würde." Die Nato sollte nichts ausschließen, um eine solche Entwicklung zu stoppen. Mazedoniens südlicher Nachbar Griechenland hatte bereits zuvor erklärt, eine internationale Friedentruppe werde "früher oder später" in Mazedonien notwendig. Die von der Nato geführte Kosovo-Friedenstruppe KFOR hat in Mazedonien Nachschubbasen, aber keine Funktion als Friedenstruppe. Ihr Kommando übernimmt demnächst ein französischer General.

Solana braucht Rückendeckung des Bündnisses

Schröder sagte in Brüssel, er habe das Thema Mazedonien mit Chirac erörtert. Beide Seiten hätten ihre Besorgnis deutlich gemacht. Alles, was darüber hinausgehe, solle nicht öffentlich diskutiert werden.

In der Runde der Staats- und Regierungschefs sagte Schröder laut Redetext, die Lage auf dem Balkan sei Besorgnis erregend, die Polarisierung der albanischen und slawischen Volksgruppen stelle die Zukunft des Landes in Frage. Eine Stabilisierung Mazedoniens erfordere "enge Abstimmung und gemeinsames Handeln der Partner beiderseits des Atlantiks". Nato und EU müssten jetzt alle Energien darauf konzentrieren, ein Ende der Gewalt und substanzielle Ergebnisse im innenpolitischen Dialog in Mazedonien zu erreichen. Der außenpolitische Koordinator der EU, Javier Solana, brauche bei seinen Friedensbemühungen die volle Rückendeckung des Bündnisses.

In der mazedonischen Hauptstadt Skopje wurde bekannt, dass Nato-Generalsekretär George Robertson am Donnerstag in Mazedonien eintreffen soll, um mit der Regierung über eine Lösung des Konflikts zu beraten.

Rotes Kreuz bringt Zivilisten in Sicherheit

Im Kampfgebiet im Norden Mazedoniens hat das Internationale Rote Kreuz die Feuerpause genutzt, um mehrere Hundert Zivilisten aus den von albanischen Rebellen besetzten Dörfern in Sicherheit zu bringen. Viele Menschen wollten die Region verlassen, weil die Kämpfe immer näher rückten, sagte eine Sprecherin des Roten Kreuzes. Außerdem sollen Lebensmittel in die Dörfer gebracht werden, in denen die Zivilbevölkerung seit Wochen ausharrt. Ein Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln und Medikamenten wurde von der mazedonischen Armee zunächst nicht ins Kampfgebiet gelassen.

Etwa 26 Lastwagen warteten mit Mehl, Zucker, Milchpulver und Medikamenten darauf, in die Dörfer zu kommen. Die mazedonische Armee werde den Konvoi nicht durchlassen, wenn die albanischen Rebellen an ihrer Forderung festhielten, dass er von Journalisten begleitet werde, sagte Arbeitsminister Bedredin Ibrahimi. Dafür sei die Region nicht sicher genug.

Auch die geplante Reparatur einer Wasserleitung aus einem Reservoir im Rebellengebiet in die 100 000-Einwohner-Stadt Kumanovo stand am Mittwochvormittag noch aus. Die Rebellen hatten zugesagt, Techniker in das Gebiet zu lassen, wenn die Armee den Hilfskonvoi durchlasse.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%