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Eskimo-Olympiade: Indianerherz kennt keinen Schmerz

Fairbanks, Alaska (dpa) - Die Männer von Point Hope, Alaska, sind eine Klasse für sich. Echtes Olympia-Kaliber. Goldmedaillen-Gewinner. Doch sahnen sie in Disziplinen ab, in denen keine der deutschen Olympiahoffnungen auch nur die geringste Chance hätte.

Fairbanks, Alaska (dpa) - Die Männer von Point Hope, Alaska, sind eine Klasse für sich. Echtes Olympia-Kaliber. Goldmedaillen-Gewinner. Doch sahnen sie in Disziplinen ab, in denen keine der deutschen Olympiahoffnungen auch nur die geringste Chance hätte.

Ohrgewichtheben, einfüßiger Hochtritt, Mann-in-die-Luft-Werfen: das sind die Königsdisziplinen der Eskimo- und Indianer-Olympiade, die in der Nacht zu Sonntag in Fairbanks in Alaska zu Ende ging.

Dennis Frankson (18) aus Point Hope liegt der Saal zu Füßen, als er am Finaltag am linken Ohr ein Band mit sieben Kilogramm Bleigewichten um die Arena schleppt. Er schafft gut 450 Meter. «Das ist nichts, ich hab's auch schon viel weiter geschafft», sagt er. Das war mit dem rechten Ohr, doch das kam diesmal nicht in Frage. Das rechte musste nämlich am Vortag genäht werden, nachdem der gewichtige junge Mann schon den Ohrzieh-Wettbewerb für sich entschieden hatte. Dabei sitzen sich zwei Leute gegenüber, ein Band um je ein Ohr gelegt, und versuchen den Gegner auf ihre Seite zu ziehen. Frankson schaffte sie alle, nur war sein Ohr danach halb abgerissen.

«Sieger ist, wer den meisten Schmerz aushalten kann», sagt Tungwenuk, Präsident der Spiele, mit bürgerlichem Namen Gregory Nothstine. «Das sind Fähigkeiten, die unsere Vorfahren zum Überleben brauchten.» Der alte Spruch «Indianerherz kennt keinen Schmerz» entfaltet hier seine volle Bedeutung. Bei der Eskimo- und Indianer- Olympiade geht es um Ausdauer, Geschicklichkeit und Kraft.

Jesse Frankson, Cousin von Dennis, ist der ungeschlagene König des einfüßigen Hochtritts. Dabei gilt es, einen kleinen Lederball mit der Fußspitze zu treffen, der an einem Faden in etwa zweieinhalb Metern Höhe baumelt. Dabei muss der Sportler auf dem Fuß landen, mit dem er den Ball berührt hat, und die Balance halten. Frankson (24) schafft an diesem Abend 2,94 Meter, einen neuen Rekord. «Alles eine Frage der Konzentration», sagt er. Es ist 23.00 Uhr, die Sonne geht gerade unter in Fairbanks, unweit des Polarkreises, und Frankson geht mit seinem Cousin die Medaillen feiern.

Die Geschichte des Sportwettkampfes reicht bei den Ureinwohnern Alaskas tausende Jahre zurück. Die Walfänger suchten sich dabei früher die Stärksten und Geschicktesten für ihre Walfangboote aus. Heute wetteifern die jungen Leute zum Spaß, und um die Traditionen ihrer Völker aufrecht zu erhalten.

Die beiden Frauen, die auf dem Boden Ellbogenhakeln machen, helfen sich am Ende lachend gegenseitig auf die Beine. Beim Knöchelhüpfen, wo jeder nur auf Fingerknöchel und Zehen gestützt so weit wie möglich kommen muss, geben sich die Athleten zwischen den Durchgängen gegenseitig Tipps für den Erfolg. «Keiner kämpft gegen den anderen, jeder kämpft gegen die eigene Schwäche», sagt Nothstine.

Die Jahrhunderte alten Disziplinen imitieren das, was früher bei den Eskimos fürs Überleben wichtig war: das Knöchelhüpfen etwa ist die Art, wie man sich unauffällig an Robben heranpirscht. Beim Mann- in-die-Luft-werfen ziehen mehrere Dutzend Männer rhythmisch eine Walrosshaut straff. Darauf steht ein Mann, der in die Luft geschleudert wird. Auf diese Weise musste früher einer Ausschau nach Beute halten.

Die Weisheit der Stammesältesten ist das Motto der Spiele, die seit 1961 jedes Jahr in Fairbanks ausgetragen werden. «Physische und mentale Disziplin, teilen und zusammenarbeiten - allzeit bereit, denn jede Schwäche kann eine Frage von Leben und Tod sein.»

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