Essener Energiekonzern könnte in die Liga der Weltkonzerne aufsteigen
Ruhrgas soll sich an Gazprom-Pipeline in China beteiligen

Deutschlands größter Gaskonzern, die Ruhrgas AG, Essen, soll sich an einem mehrere Milliarden Dollar teuren Gasprojekt der russischen Gazprom in China beteiligen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Unternehmen.

MOSKAU. Deutschlands größter Gaskonzern, die Ruhrgas AG, Essen, soll sich an einem mehrere Milliarden Dollar teuren Gasprojekt der russischen Gazprom in China beteiligen. Gazprom muss gegenüber Peking bis zum heutigen Montag verbindlich erklären, ob es sich am Bau einer innerchinesischen Gaspipeline finanziell beteiligt. Weil der russische Gasgigant bereits stark überschuldet ist, hat sich der Konzern an seine europäischen Partner Ruhrgas, Gaz de France und die italienische ENI-Tochter Snam, gewandt. Dort wird eine Beteiligung an dem Projekt jetzt intensiv diskutiert. Sowohl Ruhrgas als auch Gazprom wollten zu der China-Zusammenarbeit auf Anfrage keine Kommentare abgeben.

In dieser Woche treffen sich nach Handelsblatt-Informationen Vertreter der westeuropäischen Gaskonzerne in Moskau, um über das China-Projekt zu reden und eine Absprache über ein gemeinsames Vorgehen bei der Privatisierung des tschechisch-slowakischen Erdgasmonopolisten SPP Bohemia zu treffen. Dabei könnte ein Koppelungsgeschäft entstehen: Gazprom wird ins Bieterkonsortium um SPP aufgenommen und die Westeuropäer beteiligen sich an dem China-Projekt.

Kampf gegen eigene Aktionäre

Ruhrgas würde durch das China-Engagement in die Liga der internationalen Gaskonzerne aufsteigen. Allerdings träfe Ruhrgas dort auf alte Bekannte: Die britische BP ist noch Aktionär bei Ruhrgas - wenngleich der Anteil an Eon verkauft werden soll - und Exxon Mobil sowie Shell sind ebenfalls Anteilseigner an dem deutschen Unternehmen. Beim China-Deal müsste Ruhrgas aber gegen seine Aktionäre kämpfen - denn BP, Exxon Mobil und Shell sind dort Konkurrenten von Gazprom, an dem die Essener mit 5% beteiligt sind.

Die Russen haben seit dem Moskau-Besuch von Staats- und Parteichef Jiang Zemin in der letzten Woche große Chancen, die chinesische Pipeline zu bauen. Bis heute muss Gazprom seine Bereitschaft zur Teilnahme an der Ausschreibung erklären und käme dann auf die Liste der aussichtsreichen Bewerber. Dies haben Jiang und Putin vereinbart. Doch Gazprom hat kein Geld: 6,4 Mrd. $ längerfristige Bankverbindlichkeiten und 9,5 Mrd. $ kurzfristige Schulden wies der Konzern in der letzten Jahresbilanz aus. Gazprom sei nicht in der Lage, aus eigenen Mitteln seine Zahlungsfähigkeit wieder herzustellen, hat der russische Rechnungshof festgestellt. Neue Projekte können also nur mit kapitalkräftigen Partnern in Angriff genommen werden.

Russland und China haben in dieser Woche eine umfassende Zusammenarbeit im Energiebereich vereinbart. So soll das sibirische Irkutsk durch eine Gaspipeline Anschluss an China erhalten. Der Auftrag hat einen Wert von etwa 3 Mrd. $.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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