Essener Mediziner entwickeln schonende Methode zur Erkennung von Arteriosklerose
Verfahren deckt Herzinfarktrisiko auf

Radiologen am Essener Universitätsklinikum haben eine Methode entwickelt, mit der Herzinfarkte und Schlaganfälle künftig besser verhindert werden können. Das Verfahren ermöglicht es erstmals, das gesamte arterielle Gefäßsystem des Menschen schnell und ohne größere Nebenwirkungen zu erfassen.

HB ESSEN. Nur 72 Sekunden brauchen die Wissenschaftler, um ihren Patienten von Kopf bis Fuß zu untersuchen und dann mögliche Verengungen (Stenosen) oder Aussackungen (Aneurysmen) der Gefäße zu erkennen, die Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen können. Das Essener Verfahren basiert auf der Magnetresonanztomographie (MRT) und ist damit verträglicher als gängige Röntgen-Untersuchungen. Auch sei die als AngioSurf-System bezeichnete Technik die billigere Methode, teilen die Essener Entwickler mit. Sie eigne sich deshalb gut für die Vorsorgeuntersuchung von Gefäßerkrankungen.

In Deutschland leiden 1,5 Millionen Menschen an der arteriellen Verschlusskrankheit, auch Gefäßverkalkung genannt. Ursache sind Fettablagerungen und daraus resultierende Plaques. Dieser Vorgang wird als Arteriosklerose bezeichnet - von dieser sind vor allem Raucher, Menschen mit hohem Blutdruck und hohen Cholesterinwerten sowie Diabetiker betroffen. Als Folge der Krankheit werden in deutschen Kliniken jährlich 35.000 Gliedmaßen amputiert. 40.000 Schlaganfälle haben ihre Ursache in einer Verengung der Halsschlagader. Allein 200.000 Herzinfarkte verursachen Kosten in Höhe von 2,7 Mrd. Euro.

Technik ist in den USA weit verbreitet

Dabei gelten die Verengungen der Blutgefäße generell als gut behandelbar. Beim Verdacht einer solchen Schädigung wird heute meist die so genannte Katheter-Angiographie angewandt. Dabei führen Ärzte einen dünnen Schlauch durch die Haut in der Leistenbeuge bis zur krankhaften Gefäßstelle ein und spritzen ein Kontrastmittel. Mit Hilfe von Röntgengeräten lassen sich Gefäßveränderungen darstellen.

Allerdings ist die Katheter-Angiographie aufwendig und wird deshalb oft erst spät eingesetzt. Um Nachblutungen zu vermeiden, muss der Patient nach der Untersuchung mehrere Stunden lang beaufsichtigt werden. Zudem kann das Kontrastmittel allergische Reaktionen und Nierenleiden auslösen. Die MRT-Methode dagegen wertet das Verhalten von Gewebemolekülen in einem starken Magnetfeld aus und errechnet aus den Daten entsprechende Bilder. In den USA hat das MRT-Verfahren die Katheter-Angiographie bereits weitgehend verdrängt. Allerdings konnten bislang nur einzelne Körperregionen, etwa die Unterschenkel oder die Brust, abgebildet werden. Denn auch die MRT-Methode benötigt ein Kontrastmittel.

Der ganze Körper wird gescannt

"Man bräuchte eigentlich große Mengen davon, um mehrere Körperregionen gleichzeitig darzustellen", sagt der an der Entwicklung von AngioSurf beteiligte Radiologe Mathias Goyen. Dieses Problem lösten die Essener Forscher mit einer Reihe technischer Tricks und einem neu entwickelten Schlittensystem. Dabei gleiten Patienten so durch den MR-Tomographen, dass sich die Aufnahmen mit der Strömung eines niedrig dosierten und unschädlichen Kontrastmittels synchronisieren lassen. Auf diese Weise können in kurzer Zeit nacheinander fünf Körperregionen abgebildet und zusammengefügt werden.

"Wir wissen, dass die Arteriosklerose eine Krankheit ist, die den ganzen Körper betrifft", rechtfertigt Professor Jörg Debatin, Direktor des Zentralinstituts für Röntgendiagnostik der Uniklinik Essen, den großen Aufwand. Studien hätten gezeigt, dass 70 Prozent der Patienten mit einem Verschluss der Beinarterie auch unter Veränderungen der Halsschlagader leiden. Vermarktet wird AngioSurf über die MR GmbH, -Innovation die die Essener Forscher vor rund einem Jahr gegründet haben. Nach Angaben des Unternehmens lassen sich alle gängigen MR-Tomographen von Siemens mit dem Schlittensystem zum Preis von 18.800 $ nachrüsten. Die Uni Freiburg und Kliniken in Taiwan und Korea gehören zu den ersten Kunden. In den nächsten zwei Jahren plant MR-Innovation, weitere 60 Geräte zu verkaufen.

Die AngioSurf-Untersuchung kostet rund 750 Euro und wird von privaten Kassen bezahlt. Die gesetzlichen Versicherer zahlen nur im Falle eines stationären Aufenthaltes. Inklusive der Vorbereitung dauert die MR-Angiographie etwa 15 Minuten. AngioSurf erlaubt auch die Untersuchung von Nierenkranken - ausgeschlossen sind wegen der starken Magnetfelder aber Patienten mit Herzschrittmachern und Metallimplantaten.

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