Essener strecken schon die Fühler aus
Eon stimmt RWE mit Gelsenwasser milde

Dank der Ministererlaubnis steigt Eon zum mächtigsten deutschen Gasanbieter auf. Aus dem Wassergeschäft wird sich der Versorger aber zurückziehen, für die Ruhrgas-Übernahme opfert er die Tochter Gelsenwasser.

DÜSSELDORF. Der Energiekonzern Eon wird offenbar das Wassergeschäft in Deutschland seinem Konkurrenten RWE AG überlassen. Unter Branchenexperten gilt der Essener Konkurrent als eindeutiger Favorit für einen Kauf der Eon-Tochter Gelsenwasser. Der Düsseldorfer Eon-Konzern muss sich im Zuge der Ruhrgas-Übernahme von dem Unternehmen trennen, in dem seine wichtigsten Wasseraktivitäten gebündelt sind. Gelsenwasser werde wohl an RWE gehen, vermuten Eon-nahe Kreise. Kreise, die RWE nahe stehen, schauen schon nach vorne: "Dies ist die Chance, um in Deutschland zur unumschränkten Nummer eins als Wasserversorger aufzusteigen." Gelsenwasser passe vorzüglich zur strategischen Ausrichtung von RWE. Die Unternehmen kommentierten die Spekulationen nicht.

Eon hatte am Freitag wie erwartet eine Sondergenehmigung, die Ministererlaubnis, für die Übernahme von Deutschlands größter Ferngasgesellschaft erhalten. Neben anderen Auflagen muss sich Eon überraschend auch von Gelsenwasser trennen. Aus Branchenkreisen verlautete, der Gelsenwasser-Ausstieg stelle ein Angebot dar, um sich mit der RWE AG zu versöhnen. RWE hatte hartnäckig gegen Eons Gas-Pläne opponiert und besaß dabei über die Beteiligung am Ruhrgas-Großaktionär RAG auch ein Faustpfand. Bereits Ende letzten Jahres war jedoch über ein Gegengeschäft Ruhrgas/Gelsenwasser spekuliert worden. Der RWE-Konzern hat sich als Multi-Utility-Anbieter positioniert, der sich um die Rundumversorgung mit Strom, Gas, Umweltdienstleistungen und eben auch Wasser kümmert. Beim Wasser ist RWE weltweit bereits die Nummer drei hinter den beiden französischen Konzernen Vivendi Environnement und Suez Lyonnais de Eaux. Nun kommt mit der Eon-Tochter Gelsenwasser Deutschlands größter Versorger für Trinkwasser hinzu, das Unternehmen hat überdies auch Beteiligungen im Gasgeschäft (siehe Fachwort). Den Wert Gelsenwassers schätzen Analysten auf rund 700 Mill. Euro.

Mit der Ministererlaubnis steigt Eon zu Deutschlands größter Gasgesellschaft auf, räumt aber gleichzeitig im Wassergeschäft das Feld für die Konkurrenz. Denn mit der Abgabe von Gelsenwasser werde das Wassergeschäft auch nicht mehr zur Kernsparte des Konzerns gehören, hieß es in Eon-nahen Unternehmenskreisen. Vorstandschef Ulrich Hartmann hatte noch vor zwei Jahren eine Fusion mit Suez angestrebt und 2001 eine Übernahme des französischen Wasserunternehmens Saur - erfolglos. Seitdem behandelte Eon den Bereich eher stiefmütterlich. In Branchenkreisen hieß es, die Zahl der potenziellen Interessenten für Gelsenwasser sei begrenzt. Neben RWE werden allenfalls den beiden französischen Konkurrenten Suez und Saur Avancen zugetraut. Marktführer Vivendi kämpft derzeit um die eigene Zukunft.

Lukrativer Wassermarkt

Der Wassermarkt gilt als ausgesprochen lukrativ. Im Gegensatz zum Strom- und Gasgeschäft ist er in Deutschland noch nicht liberalisiert. Die Versorger - überwiegend Stadtwerke und Kommunen - verfügen in ihren Regionen über Gebietsmonopole. RWE ist unter anderem an den Berliner Wasserbetrieben und der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft (RWW) in Mülheim beteiligt. Zusammen mit RWE-eigenen Stadtwerken versorgt das Unternehmen zwölf Millionen Kunden mit Wasser. "Der Wassermarkt bietet weltweit gute Wachstumschancen", sagte Karlheinz Bozem, Energieexperte von der Unternehmensberatung Booz, Allen & Hamilton. Denn Wasser werde ein "knappes Gut".

In Deutschland versprechen die Gebietsmonopole hohe Erträge. "Die Renditen liegen zwischen 20 und 30 %", schätzt Philip Bonhöffer von Merck Finck & Co. Wasser sei ein Zukunftsgeschäft. Dass sich Eon mit Gelsenwasser aus dem Wassergeschäft verabschiedet, ist nach Einschätzung von Analysten unproblematisch. "Den Vorsprung von RWE und den Franzosen hätte Eon eh nicht einholen können", sagte Matthias Heck von Sal. Oppenheim. Es sei daher verständlich, dass sich Eon auf Strom und Gas konzentriere.

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