Etablierte Marken haben Startvorteile
Fachzeitschriften tun sich schwer mit dem Internet

Das Internet gewinnt als zusätzlicher Publikationsweg auch für Fachzeitschriften mehr und mehr an Bedeutung - doch der Weg ins Netz ist vor allem für kleinere Verlage noch steinig. Zwar bietet das Internet die Möglichkeit, wissenschaftliche Aufsätze ohne Zeitverzögerung weltweit zu veröffentlichen. Doch viele kleine Verlage zögern, viel Geld in ein Online-Standbein zu investieren, dessen Ertrag nicht garantiert ist. Mit elektronischen Publikationen ist noch nicht viel Geld zu verdienen. Der Umsatzanteil ist bei den meisten Verlagen verschwindend gering. Chancen und Risiken von Online-Zeitschriften stehen auch beim Kongress der Deutschen Fachpresse auf dem Programm, zu dem sich die Branche am Mittwoch und Donnerstag in Wiesbaden trifft.

dpa-afx FRANKFURT. In Deutschland geben etwa 620 Fachzeitschriften-Verlage rund 3 600 verschiedene Fachtitel heraus. Das Spektrum reicht von A wie Angeln bis Z wie Zoomorphologie. Laut Fachpressen-Statistik sind inzwischen zwei Drittel aller Fachverlage online. Die Internet-Auftritte - vor allem der kleineren Verlage - beschränken sich jedoch oft auf eine Homepage mit Informationen über das Titel-Angebot und einer Kontakt- und Bestellmöglichkeit per E-mail. Komplette Online-Versionen von Print-Titeln sind in vielen Fachgebieten noch die Ausnahme.

Nach Ansicht von Frank Klinkenberg-Haaß, Chefredakteur des ausschließlich im Internet erscheinenden Computermagazins "tecChannel", haben viele Fachverlage "es definitiv verschlafen, das Netz als Publikationsplattform zu nutzen."

Web-Inhalte rechnen sich selten

Diesen Vorwurf lässt der Sprecher der Deutschen Fachpresse, Reinhold Welina, jedoch nicht auf der Branche sitzen. "Einen Titel ausschließlich online zu veröffentlichen, hat im Moment keine ökonomische Überlebenschance", begründet er die Zurückhaltung. "Dazu kommt noch die Vorstellung vieler Leser: Was aus dem Internet kommt, darf nichts kosten."
Selbst der wissenschaftliche Springer-Verlag , nach dem Aufkauf durch Bertelsmann die Nr. 1 bei den Fachinformationen, hat nur sechs reine Online-Titel im Netz. "Die erfreuen sich nicht des allergrößten Interesses der Welt", bestätigt Arnoud de Kemp vom Springer-Verlag. Eine Erfolgschance sieht er in der Kombination aus Print- und elektronischer Ausgabe. So biete der Springer-Verlag seine 500 Zeitschriftentitel neben der Printversion zusätzlich gratis als Volltext im Netz an. Die Nachfrage sei groß. Zudem stelle Springer wichtige Aufsätze schon vor Erscheinen der Print-Ausgabe ins Netz.

Die Macht der Marke

"Wir mussten als großer, international agierender Verlag ins Internet", sagt de Kemp. Für seine Kollegen in den kleineren Häusern hat er jedoch Verständnis: "Wenn man nur in Deutschland aktiv ist, hat man noch nichts verschlafen. Deutschland ist noch nicht so weit." Langfristig aber werde "alles, was relevant ist und einen bleibenden Wert hat, über elektronische Medien laufen." Dabei werden nach de Kemps Einschätzung "die etablierten Zeitschriften mit ihren bekannten Namen und ihrer bekannten Qualität das Rennen machen. Für reine Online-Titel ohne diesen verlegerischen Hintergrund sieht die Zukunft düster aus". Denn auch im Internet und gerade für Wissenschaftler sei die Qualität der Inhalte wichtig, und etablierte Titel seien ein Garant für Qualität.

Um nicht völlig veraltet oder rückständig dazustehen, kommen die Fachverlage auch nach Ansicht des Fachpresse-Sprechers Welina an einem Online-Auftritt nicht vorbei. Die Verlage müssten daher jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen. Wenn die Verlage die Investition finanziell allein nicht stemmen könnten, seien auch Kooperationen mehrerer Verlage denkbar.

De Kemp zufolge geht die Entwicklung langfristig dahin, dass Leser die Online-Ausgabe abonnieren, während die gedruckte Version der Archivierung dient. Die gedruckte Zeitschrift habe aber auch aus einem anderen Grund noch lange nicht ausgedient: "Ein seriöser Wissenschaftler will seine Artikel gedruckt sehen - schon, um seine Schwiegermutter, seinen Sponsor oder seinen Professor zu beeindrucken."

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