Ethikrat-Mitglied rechnet mit sachlicher Diskussion
Bulmahn will Klon-Verbot international durchsetzen

Die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses gegen das Klonen menschlicher Embryonen ist von deutschen Politikern und Ethik-Experten als wichtiger Schritt zu einem internationalen Konsens in der Gentechnik begrüßt worden.

ap HAMBURG. Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn sagte der "Financial Times Deutschland", sie setze sich dafür ein, dass die Linie auch in Deutschland auf einen breiten Konsens stoßen werde und sich auch international durchsetzen könne. Die SPD-Politikerin kündigte an, dass bei den nächsten deutsch-französischen Konsultationen das Thema Bioethik auf der Tagesordnung stehen werde. Frankreich gehe einen ähnlichen Weg.

Das Mitglied im Nationalen Ethikrat, Detlev Ganten, sagte im Deutschlandfunk, er erwarte, dass die Entscheidung vom Mittwoch auch die Diskussion in Deutschland beeinflussen werde, "denn hier haben wir jetzt eine große internationale Mehrheit und einen Konsens und ich denke, dass wir uns jetzt den sachlichen Argumenten etwas mehr widmen können, denn gerade das reproduktive Klonen hat ja Emotionen freigesetzt."

Ganten betonte, dass die Entscheidung in den USA "mehr oder weniger Beschlusslage" in Deutschland sei. Die Amerikaner vollzögen nach, was Stand der Diskussion in Deutschland und in den meisten Ländern Europas sei. "Das ist bei uns auch nach dem Embryonenschutzgesetz schon jetzt verboten."

Der Tübinger Ethik-Experte Dietmar Mieth sagte, vielleicht werde man jetzt etwas unaufgeregter über die Zulassung des therapeutischen Klonens und der Forschung an embryonalen Stammzellen diskutieren können. Das Wichtigste für Deutschland sei zunächst die Frage des Imports von embryonalen Stammzellen.

Er rechne auch damit, dass die Entscheidung weit reichende Folgen für die Gen-Forschung in den USA haben werde. "Die Forschung an Embryonen wurde bislang in Amerika zwar nicht verboten, aber öffentliche Geldmittel wurden dafür nicht zur Verfügung gestellt", sagte Mieth. "Das wird jetzt anders werden. Nach dem Beschluss des Kongresses wird man an den überzähligen Embryonen forschen dürfen, das heißt, dafür werden auch staatliche Gelder fließen." Der Tübinger Experte sprach in diesem Zusammenhang von eine "Ende der Heuchelei".

Mieth wies darauf hin, dass der Beschluss nur das Klonen nach dem so genannten Dolly-Verfahren untersage. Dabei würde das Erbgut eines erwachsenen Menschen in eine entkernte Eizelle eingepflanzt, aus der sich dann eine vollständiger Mensch mit identischem Erbgut entwickeln könnte.

Mieth sieht zudem eine Chance für eine internationale Annäherung in den ethischen Fragen der Gentechnik. "Der europäische Konsens, dass Embryonen nicht zu Forschungszwecken hergestellt werden dürfen, scheint jetzt auch in Amerika und darüber hinaus in Japan zu greifen", sagte er.

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