Ethnische und religiöse Auseinandersetzungen
Hintergrund: Krisengeschütteltes Indonesien

Die 1946 nach niederländischer Kolonialherrschaft unabhängig gewordene südostasiatische Republik Indonesien wird nach Jahrzehnten wirtschaftlichen Aufschwungs seit einigen Jahren von inneren Krisen und von schweren ethnischen und religiösen Konflikten geschüttelt.

HB/dpa HAMBURG. Die jüngste Geschichte des 1,9 Millionen Quadratkilometer großen Landes war vor allem geprägt von der asiatischen Finanzkrise, die eine bis in die 90er Jahre reichende Wachstumsphase unterbrach. Dem Sturz des diktatorischen Präsidenten Suharto im Jahr 1998 folgte im vergangenen Jahr die von Gewalt begleitete Entmachtung des in Finanzaffären und Korruption verwickelten Staatspräsidenten Abdurrahman Wahid. Dessen seit Juli 2001 amtierende Nachfolgerin Megawati Sukarnoputri ist auf Grund ihres Regierungsstils ebenfalls nicht unumstritten.

Zu den Problemen in Wirtschaft und Regierung gesellten sich in den vergangenen Jahren ethnische und religiöse Auseinandersetzungen, die vereinzelt in Massakern gipfelten. Auf dem am Äquator liegenden indonesischen Archipel mit seinen mehr als 13 600 Inseln leben schätzungsweise 210 Millionen Menschen überwiegend malaiischer Herkunft. Mit einem Anteil von fast 90 Prozent Moslems ist Indonesien das bevölkerungsreichste moslemische Land der Welt, aber kein islamischer Staat. Unter den fünf anerkannten Religionen machen die Christen etwa acht Prozent, Hindus zwei Prozent und Buddhisten ein Prozent aus. Die Religionsfreiheit ist in der Verfassung garantiert.

Schwere, von gewalttätigen Ausschreitungen begleitete separatistische Konflikte wurden in Osttimor, Aceh und Papua - dem früheren Irian Jaya - ausgetragen. Das Anfang diesen Jahres in die staatliche Unabhängigkeit entlassene ehemals portugiesische Osttimor gehört nicht mehr zu Indonesien. Aceh und Papua erhielten Anfang des Jahres den Status von Sonderautonomien. In Aceh hörten dennoch die Auseinandersetzungen mit der Separatistenbewegung GAM nicht auf.

Die schwersten religiös begründeten Auseinandersetzungen wurden auf Sulawesi und den Molukken ausgetragen. Die verfeindeten Volksgruppen der Christen und Moslems beendeten ihre grausamen Kämpfe mit den Ende 2001 und im Februar dieses Jahres unterzeichneten Friedensabkommen (Malino I und Malino II). Dennoch brach sowohl in Zentralsulawesi als auch auf den als Gewürzinseln bekannten Molukken in den vergangenen Monaten neue Gewalt aus.

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