EU-Beitritt Bulgariens
Von Wörtern und Waffen

Eigentlich müssten sich Meglena Kuneva und Olli Rehn gut verstehen. Die Europaministerin aus Sofia tut alles, um dem Erweiterungskommissar aus Brüssel entgegen zu kommen. Wenn Rehn, der 44-jährige spröde Finne, einen Wunsch an die bulgarische Regierung hat, muss er bloß zum Telefonhörer greifen.

SOFIA/BRÜSSEL. Bei Kuneva, der 48-jährigen dynamischen Bulgarin, findet er immer ein offenes Ohr. "Wir halten den Kontakt", berichtet Kuneva, die die EU-Beitrittsgespräche für Bulgarien seit vier Jahren leitet. "Auch jetzt noch, kurz vor der Entscheidung."

Rehn will morgen den Fortschrittsbericht vorlegen, der über den für 2007 geplanten EU-Beitritt entscheidet. Bulgarien und Rumänien ist die Aufnahme sicher, nur die Konditionen sind noch unklar. Doch nun, kurz vor dem Ziel, gibt es Spannungen zwischen Brüssel und Sofia. Rehn wird der Gerüchteküche nicht mehr Herr, die ?mal eine Verschiebung der Entscheidung, ?mal eine Mitgliedschaft zweiter Klasse für Bulgarien herbeiredet. Undichte Stellen in der EU-Kommission und unzufriedene Europaparlamentarier sorgen dafür, dass immer neue Gerüchte aufkommen.

Vor allem die weit verbreitete Korruption und das organisierte Verbrechen könnten, so heißt es, Bulgarien auf dem Weg nach Europa noch zum Verhängnis werden. Aber auch der Umgang mit der Minderheit der Sinti und Roma sorgt für Ärger in der EU. Der grüne Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit eilte letzte Woche eigens nach Sofia, um sich in einem Lager am Rande der Hauptstadt umzusehen. Die Grünen hätten erhebliche Bedenken gegen einen EU-Beitritt Bulgariens, ließ Cohn-Bendit nach dem Blitzbesuch verlauten.

Kuneva stemmt sich mit Händen und Füßen gegen die schlechten Nachrichten aus Brüssel. "Es gibt einen Mangel an Verständnis für unser Land", klagt sie im Gespräch mit deutschen Journalisten in Sofia. Zwar nehme sie die Gerüchte nicht besonders ernst: Rehns Bericht werde "keine Überraschungen" enthalten. Das Gutachten der Kommission sei sogar eine Art Luxus, weil es Bulgarien gute Ratschläge für die Zukunft gebe. "Nach dem Beitritt wird uns niemand mehr führen", gibt Kuneva zu bedenken.

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