EU droht Amerikanern mit Sanktionen: Deutsche Prüfer fürchten Aufsicht der SEC

EU droht Amerikanern mit Sanktionen
Deutsche Prüfer fürchten Aufsicht der SEC

Wirtschaftsskandale haben das Image der Wirtschaftsprüfer in Europa und Amerika angekratzt. Umso mehr wehren sich die Europäer gegen Versuche der US-Börsenaufsicht SEC, in ihre Prüfungspraxis hineinzuregieren. Sie fordern ein eigenes Europäisches Institut, das Prüfungsstandards setzt und sichert.

DÜSSELDORF. Nicht nur europäische Politiker befürchten die wachsende Dominanz der USA, das gilt derzeit auch für die Wirtschaftsprüfer. Seit der US-Kongress im Juli 2002 den Sarbanes Oxley Act verabschiedet hat, wächst die Sorge, dass die Amerikaner immer mehr in die Prüfungspraxis der Europäer hineinregieren. Denn das US-Gesetz, das nach den Bilanz-Skandalen um Enron und Worldcom vom Kongress verabschiedet worden war, verlangt auch von europäischen Unternehmen, die in USA gelistet sind, dass sich ihre Wirtschaftsprüfer den amerikanischen Prüfungsstandards unterwerfen.

Die deutschen Bilanzkontrolleure wollen jetzt zwei Ziele auf einmal erreichen. Eine europäische Aufsichtsbehörde, so ein Vorschlag des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), soll die Prüfungsqualität sichern und der drohenden Einflussnahme durch die US-Börsenaufsicht SEC gegensteuern. Deshalb strebe man zumindest Verhandlungen mit den Amerikanern an, sagte ein IDW-Sprecher. In der ganzen EU wächst der Widerstand gegen die Pläne der US-Regierung, insbesondere in der Brüsseler Kommission. So droht EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkestein mit Sanktionen, sollten europäische Wirtschaftsprüfer gezwungen werden, sich auch der US-Aufsicht zu unterwerfen.

Den Unmut der Prüfer erregt die Forderung im Sarbanes Oxley Act, dass EU-Wirtschaftsprüfer künftig einem neuen US-Aufsichtsgremium für Wirtschaftsprüfer Zugang zu ihren Unterlagen geben sollen. Dies schaffe eine unverhältnismäßige Regulierung. Außerdem würden Anwälte verpflichtet, bei Gesetzesverstößen als Kronzeuge gegen eigene Mandanten aufzutreten. Die Experten fürchten, dass diese Regelung auch Prüfer betrifft, die als Anwalt für ihre Mandanten arbeiten.

Überdies hatte die amerikanische Börsenaufsicht SEC im Januar dieses Jahres neue Regelungen zur Unabhängigkeit von Abschlussprüfern veröffentlicht. Dazu gehört die Rotationspflicht, das heißt, wichtige Prüfer müssen nach einer bestimmten Zeit das Team verlassen. Ferner werden bestimmte, so genannte Nicht-Prüfungsleistungen, wie die Entwicklung und Implementierung von EDV-Systemen oder die Erstellung von Bewertungsgutachten, verboten. Diese Regelungen sollen ab dem 6. Mai dieses Jahres rechtswirksam werden. Die SEC hatte damit Konsequenzen aus dem Problem gezogen, dass große Prüfungsfirmen zugleich als Unternehmensberater für Konzerne tätig waren.

Ob es den deutschen Prüfern und dem IDW gelingt, mit der Gründung einer europäischen Aufsichtsbehörde ein Gegengewicht gegenüber den USA zu schaffen, halten Fachleuten allerdings für fraglich. So erwartet der Bonner Aktienrechtsprofessor Markus Lutter, dass sich die Wirtschaftsprüfer den amerikanischen Forderungen kaum entziehen können. Dies gelte ganz besonders für die von der SEC verlangte Unabhängigkeit der Prüfer. Lutter glaubt, dass die SEC den Wirtschaftsprüfern daher noch in diesem Jahr auch in Europa viele der bisherigen Beratungstätigkeiten verbieten werde.

Tritt dieser Fall ein, wird es bitter für die Branche, denn auf dem Markt für Jahresabschluss-Prüfungsleistungen wird hart gerungen, Aufträge kommen fast nur noch zu Niedrigstpreisen herein. Das geht naturgemäß auf Kosten der Rendite. So konnten im vergangenen Jahr die "Big Five" unter den Gesellschaften zwar beim Umsatz immerhin noch um insgesamt 6 % auf rund 3,6 Mrd. (Vorjahr 3,4 Mrd.) Euro zulegen; die Rentabilität jedoch hinkt hinterher.

Dabei veröffentlichen die Unternehmen keine Renditezahlen, die nach Einzelbereichen aufgegliedert sind. Dennoch wissen Experten: Verdient wird in der Jahresabschlussprüfung seit langem kaum noch etwas. Das Geld kommt aus anderen Bereichen wie Steuer- und Unternehmensberatung. Da die SEC genau hier den Hebel ansetzt, droht den Prüfern eine gefährliche Kostenklemme. Fachleute wie Karlheinz Küting vom Institut für Wirtschaftsprüfung der Universität des Saarlandes rechnen sogar damit, dass die Honorare noch weiter fallen. Damit würden die Prüfer nicht nur ökonomisch gefährdet: "Bei solchen Kampfpreisen ist eine sachgerechte Prüfung in Frage gestellt", befürchtet Küting.

Dabei müssen im Kampf um den Klienten auch immer mehr kleine Gesellschaften Federn lassen. Dirk Hachmeister von der Universität Leipzig sieht als Folge eine wachsende Konzentration: "Wir haben in Deutschland im Grunde nur nur eine starke Gruppe, die man als "Big Three" bezeichnen kann, nämlich KPMG, Andersen + Young-Ernst sowie PWC. Dann kommt erstmal gar nichts." Auch Jochen Rölfs, Vorstandssprecher beim Mittelständler Rölfs & Partner AG (rund 60 Mill. Euro Umsatz), beobachtet die Konzentration: "Einige große Gesellschaften mussten ihr Beratungsgeschäft verkaufen. Mit dem Geld werden entweder kleine Konkurrenten dazugekauft oder Umsatz, indem man Aufträge zu Dumpingpreisen akquiriert."

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