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EU einigt sich auf Kompromiss hinsichtlich IAS 39

Die EU-Staaten. haben sich auf die Einführung des umstrittenen Bilanzierungsstandards für ...

Die EU-Staaten. haben sich auf die Einführung des umstrittenen Bilanzierungsstandards für Finanzinstrumente (IAS 39) verständigt. Dieser wird nun in einer abgespeckten Version zum 1. 1. 2005 in Kraft gesetzt, so eine Meldung der Börsen-Zeitung vom 2. 10. 2004. IAS 39 regelt den Ansatz und die Bewertung von finanziellen Vermögensgegenständen und Schulden. Zusätzlich enthält der Standard spezielle Vorschriften zur bilanziellen Abbildung von Sicherungszusammenhängen (Hedge Accounting).
Nach Angaben des Sprechers von EU-Kommissar Frits Bolkestein verständigte sich der EU-Rechungslegungsausschuss (ARG) darauf, die Vorschriften zur Zeitwertbilanzierung (Fair Value) sowie zum Makro-Hedging auf Einlagen herauszunehmen. Allerdings haben die Mitgliedstaaten die Option, die vom Londoner Standardsetter (International Accounting Standards Board, IASB) vorgegebenen Regeln zum Portfolio-Hedging auf Kerneinlagen in ihrem Bereich verbindlich vorzuschreiben.
In EU-Staaten, die diesem Ansatz nicht folgen, sei es die Sache der Unternehmen, ob sie das Makro-Hedging vornehmen wollen oder nicht. Keinen Spielraum für Mitgliedstaaten und Unternehmen gibt es hingegen für die vom IAS-Board aufgelegte umfassende Fair-Value-Option. Danach dürfen Banken zwar die Zeitwertmethode bei Aktiva, nicht aber bei den eigenen Verbindlichkeiten anwenden. Wollen sie dies tun, müssen sie die Zeitwertbilanzierung im Rahmen der bestehenden EU-Bilanzierungsvorschriften (4. und 7. Richtlinie) durchführen. Gegen den Kompromiss hatten sich im ARG nach Angaben aus EU-Kreisen Schweden, Dänemark, Ungarn und Tschechien gestellt. Die Regierungsvertreter aus Großbritannien, Irland und Malta enthielten sich. Dies reichte nicht aus, um eine Sperrminorität gegen den abgeschwächten lAS-Standard aufzubringen.
Den Kreisen zufolge werde die Kommission in den nächsten Tagen eine Erklärung zum Kompromiss bei IAS 39 abgeben. Sie werde noch einmal herausstellen, dass der Kompromiss tragbar sei, da dieser nur 5% der Regeln im Derivatestandard umfasse. Zudem seien ohnehin die Vorschriften international auf dem Prüfstand. Danach arbeitet bereits eine Expertengruppe des IASB an der Neufassung der Fair-Value-Option. Diese soll den Kreisen zufolge Anfang 2005 vorliegen. Zuvor soll im Dezember noch einmal ein "runder Tisch" eine Diskussionsplattform bieten. Beim Hedge Accounting ist der ISAB derzeit in Gesprächen mit den Banken. Dort wird eine Überarbeitung Ende 2005 avisiert. In Europa sind mit Wirkung vom 1. 1. 2005 rund 7000 börsennotierte Unternehmen in der EU verpflichtet, ihre Abschlüsse nach den Vorgaben des International Accounting Standards Board (IASB) zu erstellen. Für Unternehmen, die nach US-GAAP bilanzieren, sind die internationalen Rechnungslegungsstandards zwei Jahre später verpflichtend. Von den über 30 Standards war lediglich derjenige für die Finanzinstrumente auf eine breite Ablehnung gestoßen. Die übrigen Standards sind bereits durch die EU-Kommission umgesetzt.
Viele Banken und Regierungen hatten bei IAS 39 vorgebracht, die damit vorgeschriebene Zeitwertbilanzierung vermittle ein Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, das von den tatsächlichen Verhältnissen abweiche. Deutliche Einwände gab es in dieser Hinsicht auch von der Europäischen Zentralbank. Kritiker warnen jetzt vor juristischen Problemen und großer Konfusion, wenn IAS 39 in der verwässerten Form angewendet wird. Großbritannien und Irland hatten deshalb und wegen ihrer engen Verbindung zur US-Wirtschaft die vollständige Übernahme der IAS-Standards gefordert.

Quelle: FINANZ BETRIEB, 06.10.2004

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