EU, FIFA und UEFA feiern "positiven Abschluss"
Geteiltes Echo nach Brüsseler "Gipfel"

Der Brüsseler "Fußball-Frieden" scheint trügerisch. Die Reaktionen auf die beim "Gipfeltreffen" verabschiedeten Regularien zur Neuregelung des Vertragsrechts und Transferwesens im internationalen Fußball bewegten sich am Dienstag zwischen großer Zustimmung und harscher Kritik. Während EU- Wettbewerbskommissar Mario Monti, seine Amts-Kolleginnen Viviane Reding (Sport) und Anna Diamantopoulou (Soziales) sowie FIFA - Präsident Joseph Blatter und UEFA-Chef Lennart Johansson den am Montagabend nach neunmonatiger Kontroverse geschmiedeten Kompromiss als "großen Erfolg für den Fußball" feierten, hegen Vereinsvertreter aus der deutschen Bundesliga große Zweifel an der juristischen Unantastbarkeit der Grundsatz-Vereinbarung.

dpa BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Die internationale Spielervereinigung FIFPro sprach am Dienstag sogar von einem "schwarzen Tag für den europäischen Sport und die Fußballer" und schloss Klagen vor den höchsten internationalen Gerichten nicht aus. "Wir akzeptieren dieses Abkommen nicht", kündigte FIFPro-Sprecher Laurent Denis aus England an. "Die Fußball- Welt hat keine einheitlich akzeptierte Entscheidung getroffen", monierte auch FIFPro-Chef Gordon Taylor.

Der von den EU-Kommissaren sowie FIFA und UEFA beschlossene Kompromiss sieht unter anderem vor, dass Spieler bis zum Alter von 28 Jahren ihre Verträge mindestens drei Jahre einhalten müssen. Bei einem Alter über 28 gelten mindestens zwei Jahre. Bei einseitigen Kündigungen sind Geldbußen oder sportliche Sanktionen - wie etwa Sperren - möglich. Falls Spieler im Alter unter 23 Jahren wechseln, wird eine Trainingsentschädigung für den ausbildenden Club fällig. Auch die Bildung eines unabhängigen Schiedsgerichts wurde vereinbart.

Bis zum FIFA-Kongress am 5. Juli in Buenos Aires hat der Weltverband nun Zeit, die mühsam erarbeiteten Grundsätze im Detail zu formulieren und dann durch das Exekutiv-Komitee in die FIFA-Regeln aufnehmen zu lassen. Der endgültige Beschluss erfolgt durch den Kongress. "Ich bin froh, dass wir die schwierigen Verhandlungen zu einem positiven Abschluss gebracht haben", verkündete Monti am späten Montagabend in der belgischen Hauptstadt und steckte die "Gelbe Karte", die er der FIFA vor Monaten gezeigt hatte, demonstrativ wieder ein.

Blatter und Monti besiegelten den Kompromiss durch den Austausch entsprechender Schriftstücke. "Ich bin glücklich über die Einigung zwischen der Kommission und der Fußball-Familie. Die Vorschläge zur Verbesserung verschaffen uns ein sehr solides Fundament für die Zukunft unseres Spiels", sagte Blatter, der den "sozialen Dialog" mit der EU, den kontinentalen Verbänden sowie Spielern und Vereinen "im Sinne des Fußballs" fortführen will.

Kritik aus der Bundesliga



Sport-Kommissarin Viviane Reding hob nach dem "großartigen Abend für den Fußball und den europäischen Sport" die soziale Dimension der Abmachung hervor. Die Solidarität zwischen armen und reichen Clubs werde gestärkt. Auch UEFA-Chef Johansson zeigte sich zufrieden mit dem "für alle Parteien akzeptablen Ergebnis". Damit werde "die Balance zwischen den Notwendigkeiten des Fußballs und den Anforderungen des EU-Rechts" repräsentiert.

Während die am Zustandekommen des Kompromisses direkt Beteiligten in Brüssel feierten, ernten sie zum Teil harsche Kritik aus dem Lager der deutschen Profi-Clubs und der FIFPro. Deren Sprecher Denis schloss eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH), dem internationalen Arbeitsgericht oder dem Straßburger Gerichtshof für Menschenrechte nicht aus.

Deutsche Club-Vertreter äußerten sich zurückhaltend bis überaus kritisch. Der Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, Wolfgang Holzhäuser, regte eine "sorgfältige Prüfung juristischer Schritte" gegen den Kompromiss an. Die Regelung, dass Vereine mit Spielern (bis zum Alter von 28 Jahren) künftig maximal geschützte Drei-Jahres- Verträge (danach zwei Jahre) abschließen können, geht ihm nicht weit genug. Nach deutschem Arbeitsrecht könnten Profis fünf Jahre gebunden werden, sagte der Bayer-Finanzchef.

Regularien "juristisch sezieren"



Borussia Dortmunds Präsident, Jurist Gerd Niebaum, hält das Abkommen für einen "willkürlichen Eingriff in das Recht auf Vertragsfreiheit". Bayern Münchens Vizepräsident Fritz Scherer spricht von einer "neuen Etappe bei der Zerstörung des Fußballs". Nicht ganz so weit geht sein Amtskollege Karl-Heinz Rummenigge, der als G 14-Sprecher aber eine Bevorzugung der Spieler sieht: "Das Ganze ist ein Spagat zwischen den Römischen Verträgen und den Spezifika des Fußballs zu Gunsten der Spieler und zu Lasten der Clubs." Die G 14 werde die neuen Regularien "juristisch sezieren". Vor allem die auf 28 Jahre festgesetzte Altergrenze leuchtet vielen Clubs wie Profis nicht ein.

Auch die deutsche Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) kritisierte zwar den Altersfaktor, begrüßte den Kompromiss aber grundsätzlich. "Aber auch so ist eine zumindest ausreichende wirtschaftliche und personelle Planungssicherheit gegeben. Die Stabilität im Fußball wird erhalten", sagte VdV- Präsident Florian Gothe, der das Ergebnis als "allseits gerechtes Unentschieden" bezeichnete: "Es schadet niemandem und nutzt allen."

Aus der Bundesliga gab es aber auch Zustimmung. Wolfsburgs Manager Peter Pander, Bremens Sportdirektor Klaus Allofs und Kaiserslauterns Vorstandsmitglied Gerhard Herzog können mit der Vereinbarung "leben". Vor allem die Regelungen und Initiativen zum Schutz junger Spieler und die daraus resultierenden Ausbildungsentschädigungen für Vereine, die viel in den Nachwuchs investieren, werden begrüßt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%