EU-Finanzminister lehnen Senkung der Energiesteuern ab
Opec erhöht Ölförderung

Die Opec-Staaten wollen mehr Öl fördern, um den Anstieg der Preise zu bremsen. Ob das Öl aber tatsächlich billiger wird, ist unsicher. Die EU-Finanzminister lehnen es ab, die Ökosteuern zu reduzieren.

HB DÜSSELDORF. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) erhöht zum 1. Oktober die Öl-Förderung um 800 000 Barrel am Tag. Darauf einigten sich die Opec-Fachminister am Sonntag in Wien bei einem informellen Treffen vor dem Beginn ihrer offiziellen Beratungen. Die Opec bezeichnete ihre Entscheidung als "Signal" an den Markt. "Wir werden mehr Öl produzieren und dann sehen, wie der Weltmarkt reagiert", sagte der amtierende Opec-Präsident und venezolanische Energieminister Ali Rodriguez. Mit der Anhebung habe die Opec "verantwortungsbewusst" auf den angespannten Markt reagiert, ergänzte Rodriguez vor Beginn der eigentlichen Sitzung.

Fachleute hatten mit einer Erhöhung um lediglich 500 000 Barrel gerechnet. Die tägliche Produktion der zehn Erdölförderländer steigt den Angaben zufolge nun um 3 % auf 26,2 Millionen Barrel pro Tag (1 Barrel = 159 Liter). Die zum dritten Mal in diesem Jahr erhöhte Förderquote wollen die Opec-Staaten erneut am 12. November überprüfen.

Die Produktionserhöhung gilt nicht für den Irak

Der Beschluss der Opec-Staaten gilt nach Einschätzung von Beobachtern als Kompromiss zwischen Saudi-Arabien und den auf einem knappen Ölangebot bestehenden Opec-Mitgliedern Libyen und Iran. Saudi-Arabien hatte am Samstag als führende Opec-Macht nach Angaben von Delegierten vorgeschlagen, die Produktion um eine Million Barrel pro Tag zu erhöhen. Einige Förderländer lehnten dies jedoch ab, da sie bei einer deutlichen Anhebung der Fördermenge um die hohen Erlöse aus dem Erdölexport fürchten. Die Produktionserhöhung gilt nicht für den Irak, der international mit Handelssanktionen belegt ist.

Der Erdölminister von Qatar, Abdullah al-Attiyah, unterstrich, dass der von der Opec vereinbarte Mechanismus, mit dem die Fördermenge an den Preis gekoppelt sei, in Kraft bleiben werde. Die Opec will ihre Fördermenge jeweils dann überprüfen, wenn der Ölpreis sich mehr als 20 Tage außerhalb eines Preisbandes von 22 bis 28 Dollar bewegt. Der Preis für ein Barrel Rohöl der führenden Sorte Brent war in den vergangenen Tagen auf den internationalen Rohstoffmärkten auf die höchsten Notierungen seit zehn Jahren geklettert.

"Schritt in die richtige Richtung"

Die US-Regierung, die den jüngsten Opec-Beschluss vorsichtig als "Schritt in die richtige Richtung" begrüßte, teilte mit, es sei noch zu früh zu sagen, ob die Erdölpreise sinken würden. Es bleibe abzuwarten, ob die höhere Fördermenge Wirkung zeige und ausreiche, um den Markt zu stabilisieren, sagte ein Sprecher des US-Präsidialamtes. Für Klaus-Jürgen Gern, Konjunkturforscher am Institut für Weltwirtschaft in Kiel, schafft der Beschluss "erst einmal Luft". Der Trend zu weiter steigenden Preisen sei damit wohl gestoppt. Nach Ansicht von Leo Drollas vom Londoner Zentrum für weltweite Energie-Studien (CGES) wird die beschlossene Erhöhung die Lage auf dem Ölmarkt nicht entspannen. Der Ölpreis werde sich weiterhin auf hohem Niveau bei um die 30 $ pro Barrel bewegen.

Die Finanzminister der Europäischen Union hatten zuvor ihre Besorgnis über das derzeitige Ölpreisniveau geäußert und die Opec an eigene Versprechungen erinnert, die Produktion auszuweiten. Die EU-Finanzminister lehnten es gleichzeitig ab, die Energiesteuern in ihren Ländern zu senken. Es gebe eine breite Übereinstimmung, dass dies die falsche Antwort an die Produzenten wäre, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel.

In Versailles wurde das Verhalten der französischen Regierung kritisiert, die nach landesweiten Protesten und Straßenblockaden den Fuhrunternehmen Steuererleichterungen eingeräumt hatte. Dort wurden die letzten Blockaden von Landwirten und Spediteuren gestern aufgehoben. Dagegen kam es in Großbritannien, in Belgien und vereinzelt auch in Deutschland am Wochenende zu Blockaden und Protesten demonstrierender Lastwagen- und Taxifahrer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%