EU genehmigt Sonera-Telia-Fusion
Telia-Sonera-Ehe mit Fragezeichen

Die EU-Kommission hat die Telekom-Ehe zwischen der schwedischen Telia und der finnischen Sonera genehmigt. Doch noch sind nicht alle Hindernisse aus dem Weg geräumt.

hst STOCKHOLM. Trotz der Genehmigung der Fusion der beiden Telekom-Gesellschaften Telia und Sonera durch die EU-Kommission ist diese erste grenzüberschreitende Fusion zweier Ex-Monopolisten noch nicht in trockenen Tüchern. Unsicherheiten über den durch den allgemeinen Börsenfall gesunkenen Übernahmepreis von Sonera sowie unterschiedliche rechtliche Auslegungen der finnischen Übernahmeregeln könnten noch unüberwindbare Hindernisse bei der Bildung des siebtgrößten europäischen Telekom-Konzerns darstellen. Die Aktienkurse beider Unternehmen gaben leicht nach.

Die EU-Kommission genehmigte die Telekom-Ehe unter gewissen Auflagen. So muss sich die schwedische Telia von ihrer finnischen Mobilfunktochter trennen, damit die Dominanz des neuen Konzerns in Finnland nicht zu groß wird. Außerdem verpflichtete sich Telia, seine Kabel-TV-Sparte in Schweden zu verkaufen. Um unzulässige Quersubventionen zu verhindern, mussten sich Sonera und Telia darüberhinaus zu einer getrennten Bilanzierung von Festnetz- und Mobifunkaktivitäten verpflichten.

Doch trotz grünem Licht aus Brüssel bleiben Fragezeichen bestehen: Telia hatte im März dieses Jahres den Sonera-Aktionären 1,51 eigene Aktien für ein Papier des finnischen Konzerns geboten. Damit belief sich das Übernahmevolumen auf knapp 7,5 Mrd. Euro. Zum Zeitpunkt der Eheschließungspläne lag das Telia-Angebot an die Sonera-Aktionäre knapp 16 % über dem damaligen Sonera-Kurs. Mittlerweile ist diese Prämie durch den markanten Kursfall an den Börsen auf etwa 6 % geschrumpft. Danach liegt das Übernahmevolumen nur noch bei rund 4,8 Mrd. Euro.

Die finnischen Sonera-Aktionäre werden entscheiden müssen, ob sie dem Deal auch unter den neuen finanziellen Voraussetzungen noch zustimmen wollen. Eine weitere Hürde könnte die unklare finnische Rechtsprechung bei Firmenübernahmen bilden. Nach der noch nie vor einem finnischen Gericht geprüften Gesetzeslage muss ein Käufer den Aktionären ein Cash-Angebot unterbreiten, sollte er auf mehr als Zweidrittel aller Aktien kommen. Das finnische Gesetz schreibt in diesem Fall vor, dass der 12-Monats-Durchschnittspreis der Aktie als Preis genommen wird. Unklar ist jedoch, von welchem Zeitpunkt aus der Durchschnittpreis errechnet wird.

Ist das Datum der Fusionsbekanntgabe der Stichtag, wäre der Sonera-Durchschnittskurs höher als das Telia-Angebot vom März, sodass die Schweden kräftig nachbessern müssten. Telia hat aber eine Obergrenze von 300 Mill. Euro als mögliche Barzahlung an die Sonera-Aktionäre beschlossen.

"Ich glaube trotz aller Fragezeichen wird die Telekom-Ehe klappen", beurteilt Analyst Håkan Wranne von Fischer Partners in Stockholm die Aussichten. Experten in Helsinki stimmen ihm zu. Da beide Konzerne noch immer staatlich kontrolliert sind - an Sonera hält der finnische Staat 53 %, Telia ist mit 70,6 % im Besitz des schwedischen Staates - stünde zu viel Prestige auf dem Spiel, als dass eine Fusion noch scheitern könnte, meinten sie.

Telia-Chef Anders Igel betonte gestern, dass sein Unternehmen an dem ursprünglichen Angebot festhalten werde. Er rechne damit, dass die Sonera-Aktionäre im August endgültig über die Telekom-Ehe entscheiden werden. Schon einmal, Ende 1 999, scheiterte die Fusion von Telia mit dem norwegischen Konkurrenten Telenor in letzter Sekunde an nationalen Empfindlichkeiten. Auch damals hatten die Unternehmen bereits grünes Licht aus Brüssel erhalten.

An dem neuen Unternehmen, über dessen Namen noch nicht entschieden ist, wird der finnische Staat 36 %, der schwedische 64 % halten. Die Regierungen in Helsinki und Stockholm haben jedoch bereits eine Reduzierung ihrer Anteile avisiert.

Quelle: Handelsblatt

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