EU-Gipfel in Barcelona soll Liberalisierung vorantreiben
Gasriesen haben die besten Chancen

Die schleppende Liberalisierung der europäischen Gasmärkte soll auf dem EU-Gipfel in Barcelona am kommenden Wochenende neuen Schwung bekommen.

DÜSSELDORF. Die schrittweise Öffnung der Gasmärkte wird laut EU-Kommission bestehende Monopole aufbrechen, die Preise senken und den Endkunden zu besseren Serviceleistungen verhelfen. Analysten erwarten von einem strafferen Zeitplan vorerst keine Auswirkungen auf die Börsenkurse der Energiekonzerne. Langfristig betrachtet, sieht Analyst Philip Bonhoeffer von Merck Finck & Co einen Trend hin zu Fusionen und Übernahmen bei den Gasriesen.

Die führenden deutschen Energieunternehmen, Eon und RWE, verfolgen bereits den so genannten Multi-Utility-Ansatz und bieten Elektrizität, Wasser und Gas aus einer Hand an. Die Düsseldorfer Eon hat in ihrer Angebotspalette die Prioritäten auf Strom und Erdgas gesetzt, während der Essener Konkurrent RWE das Geschäft Wasser zumindest gleichrangig gewichtet. Beide Unternehmen haben in den letzten Jahren Randaktivitäten abgestoßen und in ihrem Kerngeschäft massiv dazu gekauft.

RWE und Eon sind Outperformer

"Um diese Strategie verfolgen zu können, werden die Großen zukünftig verstärkt in nationale und internationale Märkte investieren", sagt Bonhoeffer. In Anbetracht der möglichen Übernahme des Essener Gashändlers Ruhrgas, spiele Eon eine zentrale Rolle. Bonhoeffer stuft sowohl Eon (Fairer Wert 68 Euro) als auch RWE (Fairer Wert 58 Euro) als Outperformer ein. Experten wie er rechnen damit, dass nach einer Welle von Fusionen und Übernahmen am Ende sechs bis acht große Akteure in Europa übrig bleiben werden.

Der Weg dorthin ist noch lang. Obwohl der Gesetzgeber den rechtlichen Rahmen gesteckt hat, gibt es in der Praxis noch einige Probleme bei der Öffnung der Gasnetze. "Die Netzeigentümer wollen natürlich ihr Monopol sichern - Liberalisierung gibt es nur auf dem Papier", schätzt Analyst Mathias Heck von Sal. Oppenheim die Lage auf dem deutschen Markt ein. Bisher fehle die nötige Infrastruktur, damit neue Anbieter ihren Kunden Gas auch liefern können. "Schwierigkeiten bei Transport und Lagerung machen die Liberalisierung beim Gas noch schwieriger als die beim Strom", gibt Heck zu bedenken.

Die fortschreitende Umstrukturierung und steigende Transparenz bieten seiner Meinung nach den Versorgern weitere Wertschöpfungsmöglichkeiten. Eon und RWE sieht er als Outperformer (besser als der Markt). Auch Merrill-Lynch-Analyst Chris Rogers gibt den Großen der Branche den Vortritt, da sie für die nötigen Investitionen finanziell besser gerüstet seien. Er empfiehlt den Multi-Utility-Anbieter RWE zum Kauf.

Frankreich blockiert weiterhin die Prozesse

Die schrittweise Öffnung der Gasmärkte von mindestens 28 % bis 2003 und 33 % bis 2008 ist in Großbritannien und Deutschland mit einer kompletten Umsetzung der EU- Richtlinie am weitesten fortgeschritten. Frankreich und Dänemark bilden das Schlusslicht. Die Franzosen blockieren weiter den Prozess. Sie stimmen der Liberalisierung nur für Großkunden in der Industrie, nicht für Privatkunden zu.

Erdgas gilt als Wachstumsenergie schlechthin, auch weil im Zuge der politisch gewünschten Stilllegung deutscher Kernkraftwerke das CO²-arme Erdgas vor einem Absatzschub in der Stromerzeugung steht. Die EU-Kommission geht in ihrem Grünbuch "Hin zu einer europäischen Strategie für Energieversorgungssicherheit" davon aus, dass der Gasanteil am Primärenergieverbrauch in der EU von derzeit 22 % auf 29 % im Jahr 2030 steigt. Die Liberalisierung soll vielen Anbietern Zutritt zum Markt ermöglichen.

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