EU-Gipfel zum Irak-Konflikt
Chirac-Kritik löst bei EU-Anwärtern Unmut aus

Die EU-Kandidatenländer haben sich trotz Verärgerung über scharfe Kritik des französischen Präsidenten Jacques Chirac über ihr Verhalten in der Irak-Krise um Schadensbegrenzung bemüht. Der britische Premierminister Tony Blair nahm die Kandidaten in Schutz, die am Dienstag in Brüssel über die Ergebnisse des EU-Irak-Gipfels am Vortag informiert wurden.

Reuters BRÜSSEL. Der slowakische Ministerpräsident Mikulas Dzurinda betonte bei seiner Ankunft zu einem Treffen der Kandidaten mit der EU-Ratspräsidentschaft am Dienstag in Brüssel dagegen, er habe ein hervorragendes Verhältnis zu Chirac. Rumäniens Präsident Ion Iliescu nannte Chirac einen guten Freund seines Landes. Verstimmt zeigte sich der ungarische Außenminister Laszlo Kovacs. "Wir sind zu höflich, um darauf zu antworten." Doch schärfere Reaktionen in ihren jeweiligen Heimatländern und hinter vorgehaltener Hand geübte Kritik zeigen die Verärgerung in den Regierungen der EU-Anwärterstaaten.

Die 13 Kandidatenländer waren zum EU-Sondergipfel zu Irak am Montag nicht eingeladen und sollten am Dienstag über die Ergebnisse informiert werden. Die EU-Staaten hatten auf dem Gipfel ihre bislang am schärfsten formulierte Erklärung zu Irak verabschiedet und auch Gewaltanwendung als letztes Mittel nicht ausgeschlossen. Damit gelang der EU wieder eine gemeinsame Position, nachdem eine von Großbritannien und Spanien ohne Konsultation mit Deutschland oder Frankreich initiierte Solidaritätserklärung mit den USA die Spaltung der EU in der Irak-Krise offensichtlich gemacht hatte. Auch mehrere Kandidatenländer hatten die Erklärung unterzeichnet.

Chirac hatte zum Abschluss des Gipfels in der Nacht zu Dienstag gesagt, von Rumänien und Bulgarien sei es unvorsichtig gewesen, sich zu schnell mit der US-Position zu solidarisieren. Falls sie ihre Chancen auf einen Beitritt verringern wollten, "hätten sie kaum einen besseren Weg finden können, das zu tun." Der Beitritt dieser Länder ist noch nicht beschlossen.

Andere Beitrittskandidaten hätten "eine großartige Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten", hatte Chirac gesagt. Es sei von Polen, Ungarn, Tschechien und den baltischen Staaten kindisch und gefährlich gewesen, die Erklärung mit zu unterzeichnen, in der die Staaten die harte Haltung der USA in der Frage eines Militärschlags unterstützten. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte die deutsch-französische Position hingegen als isolierte, problematische Haltung des "alten Europa" bewertet.

Blair nahm die Kandidatenländer gegen Chiracs Kritik in Schutz. Er hätte die Kandidaten gerne auf dem Gipfel am Montag gesehen, sagte er in London und wies Chiracs Warnungen vor einer Verzögerung des Beitritts zurück. "Ich hoffe, dass niemand davon ausgeht, dass sie irgendetwas anderes als volle Mitglieder der Europäischen Union sein sollten." Die Kandidaten müssten ihre Meinung offen sagen können. Zugleich mahnte er erneut enge transatlantische Beziehungen an. "Wer Amerika und Europa auseinander reißen will, spielt das gefährlichste Spiel in den internationalen Beziehungen, das ich kenne."

Der rumänische Ministerpräsident Adrian Nastase warf Chirac in Brüssel indirekt vor, die Kandidatenländer zu kritisieren, wenn er über die USA verärgert sei. "Immer wenn ich Streit mit meiner Frau habe, schimpfe ich mit meinen Söhnen. So ist es offenbar auch mit dem Problem von Herrn Chirac mit den Amerikanern und mit Rumänien und Bulgarien."

Schärfere Kritik an Chirac in Kandidatenländern

Während sich die Vertreter der Kandidatenländer in Brüssel mit harschen öffentlichen Reaktionen zurückhielten, wiesen sie Chiracs Äußerungen zu Hause deutlicher zurück. "ich hätte es vorgezogen, wenn er sich höflicher geäußert hätte", sagte der stellvertretende polnische Außenminister Adam Rotfeld im öffentlichen Rundfunk. Frankreich solle respektieren, dass Polen selbst entscheiden könne, was in seinem Interesse liege.

"Chirac hat gesagt, was auch in anderen Hauptstädten gedacht wird", sagte ein EU-Diplomat. Die Kandidatenländer sähen die USA als ihre Befreier vom Kommunismus an. In der EU gebe es Ärger darüber, dass die USA und einige EU-Staaten die Kandidaten missbraucht hätten, um Deutschland und Frankreich zu isolieren.

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