EU hat offenbar Wettbewerbsbedenken
Online-Reiseportal von T-Online wird strenger Prüfung unterzogen

rtr BRÜSSEL. Die EU-Kommission wird das geplante Internet-Reiseportal von T-Online und den Touristikkonzernen Preussag und C&N nach Angaben aus EU- und Unternehmenskreisen eingehender prüfen. Die Kommission habe wettbewerbsrechtliche Bedenken und werde das Verfahren daher um maximal vier Monate verlängern, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag aus den Kreisen. Geklärt werde müsse insbesondere, ob die Internetplattform für andere Anbieter ausreichend offen stehe, hieß es. Sprecher der beteiligten Unternehmen lehnten unter Hinweis auf eine für Dienstagnachmittag erwartete offizielle Erklärung der EU-Kommission zunächst einen Kommentar ab.

Die Brüsseler Wettbewerbshüter hatte bereits im April das einen Monat zuvor beantragte Prüfverfahren für das bisher größte Internet-Gemeinschaftsprojekt in der europäischen Reisebranche um zwei Wochen bis zum Dienstag verlängert. Die jetzt von EU-Kommissar Mario Monti verfügte Einleitung der so genannten vertieften Prüfung deutet auf gravierende Bedenken hin.

T-Travel soll Plattform für Touristik werden

Vertriebsvorstände der beiden führenden Touristikkonzerne Europas arbeiten seit mehr als einem halben Jahr zusammen mit T-Online an dem Portal mit dem Arbeitstitel "T-Travel". Geplant war bisher, dass die Preussag-Tochter Tui und C&N unter Federführung von T-Online ein Gemeinschaftsunternehmen für das Reiseportal gründen. Daraus sollte eine breite Online-Plattform für alle Anbieter von Reisen, Flügen, Hotels und anderen Angeboten aus dem Touristik- und Freizeitbereich entstehen.

Die EU-Kommission hat von Beginn an Zweifel an der notwendigen Offenheit geäußert. Daraufhin haben die Projektpartner den Kreisen zu Folge etliche Erläuterungen gegeben und auch Zugeständnisse gemacht, die aber offensichtlich der Kommission noch nicht genügen.

Tui

und C&N, die gemeinsame Touristik-Tochter von Karstadt und Lufthansa, erwarten von dem Joint-Venture mit Europa größtem Internetanbieter einen Schub für das bislang noch defizitäre Online-Geschäft. T-Online verfügte Ende März über fast neun Mill. Kunden und hat weitere Gemeinschaftsportale mit Partnern anderer Branchen angekündigt, darunter mit dem Automobilkonzern Daimler-Chrysler und dem Zweiten Deutschen Fernsehen.

Online-Reisemarkt spielt noch keine große Rolle

In der Touristik konzentriert sich das Online-Geschäft bislang auf Linienflüge. Reine Online-Reisebüros vom US-Weltmarktführer Travelocity.com bis zu Travel24.com´aus München schrieben 2000 rote Zahlen. Bei den Reisekonzernen lag das Online-Geschäftsvolumen 2000 noch unter einem Prozent des Gesamtumsatzes. Tui verbuchte 50 Mill. DM, C&N die Hälfte. Die beiden Branchenführer wollen bis 2005 dennoch jeweils rund eine Milliarde DM im Jahr online umsetzen. Das US-Institut Phocus Wright geht davon aus, dass der Online-Reisemarkt in Europa von 2,9 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr bis 2002 auf 10,9 Mrd. Dollar wachsen wird.

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