EU hilflos gegen Korea
Für die deutschen Werften tickt die Uhr

Für den deutschen Schiffbau wird es langsam eng. Seit mehr als zwei Jahren zieht Südkorea mit Billig-Preisen einen Großteil der weltweiten Schiffbau-Aufträge auf sich und lässt den deutschen und europäischen Werften nur noch Nischenmärkte. Ebenso lange versucht die Europäische Union (EU), sich auf eine wirksame Strategie gegen das koreanische Preisdumping zu verständigen.

dpa HAMBURG. Doch vergebens: Die EU-Außenminister schafften es in dieser Woche nicht, eine angedrohte Klage gegen Korea vor der Welt-Handelsorganisation (WTO) auf den Weg zu bringen.

"Brüssel sitzt die Probleme nur aus", klagt Frank Teichmüller von der IG Metall Küste. "Mit dieser Haltung trägt die EU aktiv dazu bei, den deutschen und europäischen Schiffbau zu schädigen." Die Gewerkschaft ist verbittert und empört wie selten, weil die europäischen Länder ohne zivilen Schiffbau den Problemen der Werften gleichgültig gegenüber stehen. Staaten wie Frankreich und Großbritannien, aber auch die skandinavischen Länder, wollen keinen Handelskrieg in Asien. Außerdem war die WTO-Klage an die Bedingung geknüpft, dass zumindest für eine Übergangszeit einige Subventionen wieder zugelassen werden. Auch das widerstrebt vielen Ländern.

Die Aufträge für deutsche Werften sind nun auf den ersten Blick drastisch zurückgegangen: Nahmen die Betriebe im vergangenen Jahr noch Aufträge über 10,9 Mrd. DM (5,6 Mrd. Euro) in ihre Bücher, so waren es im ersten Halbjahr 2001 nur noch Aufträge über 572 Mill. DM. "Dabei ist allerdings der Boom im vergangenen Jahr zu berücksichtigen, weil die Subventionen zum Jahresende ausgelaufen sind und viele Aufträge vorgezogen wurden", sagt Gerd Carlsson vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) in Hamburg.

Folgeaufträge bitter nötig

Das Auftragspolster der Werften ist noch beruhigend dick und reicht im Durchschnitt der Branche zumindest für das Jahr 2002. Doch im Jahr 2003 sind die ersten Lücken absehbar. "Ohne Maßnahmen gegen Korea und ohne Wettbewerbshilfe arbeiten wir noch zwei, drei Jahre, und dann schließen wir zu und werfen den Schlüssel weg", sagt ein Werft-Manager. Ähnlich sieht man es beim VSM: "Es wird immer nötiger, Folgeaufträge zu akquirieren und die Zeit wird immer knapper", sagt Carlsson. Dazu komme, dass gegenwärtig einige Reeder ihre Investitionen aufschieben, weil es auf den Schifffahrtsmärkten einen Hänger gibt und die Konjunkturaussichten unklar sind.

Unisono trommeln nun Gewerkschaft und Wirtschaftsverband gegen Brüssel und fordern die WTO-Klage nebst neuen Wettbewerbshilfen. "Wir erwarten von der Bundesregierung und der EU-Kommission bis zur zweiten maritimen Konferenz am 6. November in Rostock klare Aussagen", sagt Teichmüller. Echte Fortschritte können aber allenfalls die EU-Industrieminister im Dezember erzielen - ein halbes Jahr, nachdem das Ultimatum gegen Korea folgenlos abgelaufen ist.

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