EU-Kommission bemängelt exklusive Händlernetze
Monti will mehr Wettbewerb beim Autoverkauf in der EU

Brüssel, 15. November (AFP) - Die EU-Kommission wünscht mehr Wettbewerb beim Autohandel in der Europäischen Union (EU). Mit der bisherigen Praxis exklusiver Händlersysteme ist das Gremium laut einem am Mittwoch in Brüssel veröffentlichten Bericht nicht zufrieden. Wettbewerbskommissar Mario Monti kritisiert demnach vor allem Nachteile für die Verbraucher durch die so genannte Gruppenfreistellungs-Verordnung, mit der die Verkaufspraxis vom Kartellverbot ausgenommen ist. Die Beurteilung ist ein wichtiger Hinweis dafür, dass Monti Zweifel am Sinn der Freistellung hegt, die im September 2002 ausläuft. Ein Verbot der Ausnahme ist in dem Bericht aber nicht vorgesehen. Die Kommission will Anfang 2002 über eine Neuregelung entscheiden. Autohersteller und auch Gewerkschaften drängen auf den Erhalt des derzeitigen Systems.

Ziel der Freistellung sei es eigentlich, mehr Wettbewerb zwischen den Marken einerseits und zwischen den verschiedenen Händlern einer Marke andererseits zu fördern. Dies sei aber "nicht wirklich erreicht worden", heißt es in dem EU-Bericht. Die Verordnung erlaubt es Fahrzeugbauern und Importeuren, Händler exklusiv an sich zu binden. Sie können den Händlern damit vorschreiben, wie diese ihre Verkaufsräume gestalten müssen, welche Werbung sie machen und welchen Kundendienst sie anbieten. Zudem wird den Händlern ein Weiterverkauf an übrige Anbieter untersagt, so dass Hersteller und Importeure die alleinige Kontrolle über die Verkaufsnetze haben. Die Verordnung behindere zudem Autoverkauf via Internet oder im Supermarkt, schreibt Monti.

Die EU-Kommission bemängelt vor allem, dass die Händler wenig Gestaltungsfreiheit bei den Verkaufspreisen haben. Ein Ergebnis seien erhebliche Preisunterschiede zwischen den EU-Staaten, die die Verbraucher aber nicht voll ausschöpfen könnten. Ausdrücklich erwähnt werden in dem Bericht die Verfahren gegen mehrere Autokonzerne, die verhindert haben sollen, dass Kunden im EU-Ausland Autos billiger einkaufen als in ihrem Heimatland.

Der VW-Konzern beispielsweise ist zu einer Geldstrafe von umgerechnet 176 Millionen Mark verurteilt worden, weil er es seinen italienischen Händlern Mitte der 90er Jahre untersagte, Fahrzeuge an Kunden aus anderen EU-Ländern zu verkaufen. Vor allem Deutsche und Österreicher konnten daher nicht von günstigen Fahrzeugpreisen in Italien profitieren. Von Opel verlangte die EU-Kommission wegen ähnlicher Vorwürfe gegen die niederländische Vertriebstochter Opel Nederland eine Buße von 43 Millionen Euro (84,1 Millionen Mark). Verfahren laufen auch gegen DaimlerChrysler, Peugeot, Citroen und Renault.

Die Autoverbände wehren sich allerdings gegen eine Aufweichung des Exklusiv-Vertriebs. Der europäische Herstellerverband ACEA wies am Mittwoch darauf hin, dass nur durch das bestehende System gewährleistet sei, dass Autos EU-weit qualitätsvoll repariert werden können. Auch die deutschen Gewerkschaften warnten vor kurzem, eine Freigabe des Marktes würde zahlreiche KfZ-Betriebe in Schwierigkeiten bringen. Denn diese seien auf die gesicherten Einnahmen aus dem exklusiven Auto-Verkauf angewiesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%