EU-Kommission beobachtet Pläne des Medienkonzerns
Kirch will Formel 1 unter seine Fittiche nehmen

MÜNCHEN/BRÜSSEL. Nach dem Einstieg der Kirch-Gruppe bei der Formel 1 werden die Karten neu gemischt. Der Münchner Medienkonzern will vor allem bei der Verwertung der Fernsehrechte neue Synergien herstellen. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Formel 1 vor allem zum Zugpferd für das hauseigene Pay TV - Premiere World - dienen soll.

Der Einstieg bei der schwer angeschlagenen Filmrechtefirma EM.TV am Montag beinhaltet den Kauf von 49 % der EM-TV Anteilen an der Formel 1. Im Frühjahr hatte Vorstandsvorsitzender Thomas Haffa für etwa 3,3 Milliarden DM 100 % der Speed Limited gekauft und somit die Hälfte an der SLEC gekauft. Die SLEC ist die Holding-Gesellschaft, die sämtliche Rechte an der Formel 1 besitzt. Kirch und EM.TV halten je ein Viertel der Formel-1-Holding SLEC; der Rest liegt bei Bernie Ecclestone.

Kirch hat offenbar großes Interesse, das Engagement auszubauen. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten. Die so genannte Call-Option läuft von Ende Dezember bis Ende Februar. In dieser Zeit kann EM-TV weitere 25 % der SLEC kaufen. Zweitens kann Bernie Ecclestone im Rahmen einer Put-Option von Mai bis August zwingend 25 % an die EM.TV veräußern. Der Preis liegt bei etwa 1 Mrd. $. Wie bei Kirch betont wird, kann die Summe aufgebracht werden. Dieter Hahn, starker Mann des Münchner Medienkonzerns, macht keinen Hehl daraus, dass für ihn die Formel 1 eines der Juwelen aus dem Portfolio von EM-TV darstellt.

Hahn, bei Kirch für das Bezahl-Fernsehen zuständig, braucht dringend Millionen neuer Abonnenten für Premiere. So lange jedoch Michael Schumacher & Co. gratis und live im Free-TV zu sehen sind, nützen Premiere die Pay-TV-Rechte bis 2006 herzlich wenig.

Der Einstieg der Kirch-Gruppe bei EM.TV hat "keinen direkten Einfluss" auf das bei der EU-Kommission seit anderthalb Jahren laufende Kartellverfahren gegen die Formula One Administration Ltd (FOA), welche die TV-Vermarktungsrechte der Formel 1 besitzt. Dies sagte die Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Kommissionskreisen zufolge könnten sich die EU-Wettbewerbshüter jedoch für Kirchs Formel-1-Engagement interessieren, wenn dieser seinen Einfluss wahrnimmt und die Formel-1-Rennen ohne vorherige Bieterverfahren über sein Pay-TV ausstrahlt. Auch in diesem Fall müsste Brüssel die Beschwerde einer konkurrierenden Senders vorliegen.

Montis Amtsvorgänger Karel Van Miert hatte 1999 formelle Untersuchungen gegen die FOA und den ebenfalls für die Ausrichtung von Autorennen verantwortlichen Automobilverband FIA (Fédération Internationale de l?Automobile) eingeleitet. Obwohl der Beschwerdeführer, der Heidelberger Fernsehproduzent AE-TV seine Beschwerde gegen die Machenschaften Ecclestones zurückgezogen hat, prüft die Kommission, ob FIA und FOA mit Hilfe eines Netzes von Verträgen ihre marktbeherrschende Position ausnutzen und den Wettbewerb eingeschränkt haben.

Ecclestone, der auf Grund des EU-Verfahrens den Börsengang seiner Holding verschob, unterbreitete Monti im April Vorschläge, mit denen er sein Imperium entflechten möchte. Sechs Monate später ist die Kommission nicht in der Lage, konkret zu den Zugeständnissen Position zu beziehen. Heute wie damals heißt es wortkarg, die offerierten Zugeständnisse seien ein konstruktives Angebot. Eine eingehendere Prüfung des Falls sei notwendig. Montis Kartellwächter stehen nicht unter Zeitdruck, da bei der Prüfung von Kartellen keine Fristen vorgesehen sind.

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