EU-Kommission hat entschieden
General Electric darf Honeywell nicht übernehmen

Die Europäische Kommission hat die geplante Übernahme des US-Konzerns Honeywell durch General Electric (GE) auf Grund kartellrechtlicher Bedenken wie erwartet abgelehnt. Bei einer Fusion wäre der Wettbewerb in der Luftfahrtindustrie deutlich reduziert worden, sagte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti am Dienstag in Straßburg.

Reuters STRAßBURG. Das Ergebnis wären höhere Preise gewesen. Die von GE vorgeschlagenen Kompromissvorschläge seien unzureichend gewesen. GE hat sich inzwischen tief enttäuscht über die Entscheidung geäußert und die Meinungsverschiedenheit in dieser Frage betont. Die weitere Zukunft von Honeywell und seines Chefs Michael Bonsignore ist Experten zufolge unklar. Aus EU-Kreisen war bereits am Vormittag zu erfahren, dass Monti nahezu alle seine Kommissionskollegen davon überzeugt hat, die 42-Milliarden-Dollar-Übernahme nicht zu genehmigen. Nach Informationen aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen vom Montag hatten GE und Honeywell zuletzt über eine offizielle Rücknahme des Antrages verhandelt, um die Schaffung eines Präzedenzfalles für weitere Fusionen zu verhindern. Eine Einigung wurde offenbar nicht erreicht.

GE hatte im Rahmen der Verhandlungen mit der EU vorgeschlagen, Unternehmensteile mit einem Umsatz von 2,2 Mrd. Dollar zu verkaufen sowie das Management und die Rechnungslegung ihrer Flugzeugleasing-Tochter GE Capital Aviation Services (Gecas) auszugliedern. Einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben zufolge forderte Monti zusätzlich den Verkauf eines Teils von Gecas an die Triebwerkshersteller Rolls-Royce oder Pratt & Whitney, was GE aber abgelehnt hatte. Der Kommission zufolge ist Gecas ein Hilfsmittel für den Verkauf von GE-Triebwerken an Fluggesellschaften. Bonsignore war im Gegensatz zu GE-Chef Jack Welch Ende vergangener Woche bereit, auf Montis Forderungen einzugehen. GE-Chef Welch hatte sich jedoch geweigert. Die von Honeywell als Entschädigung für die verkauften Unternehmensteile vorgeschlagene Senkung des Übernahmepreises sei aus GE-Sicht nicht sinnvoll, hieß es.

Aus dem Mischkonzern GE kamen im Anschluss an die Entscheidung der EU enttäuschte Reaktionen. GE hätte durch die Übernahme eigenen Aussagen zufolge keine marktbeherrschende Stellung in der Luftfahrtindustrie gewonnen. "Wir glauben, dass diese Akquisition den Kunden in Bezug auf Qualität, Service und Preise eindeutig genutzt hätte", hieß es in einer Pressemitteilung.

Ohne Kaufinteressent stehe Honeywell großen Herausforderungen gegenüber, sagte David Bleustein, Analyst bei UBS Warburg. Neben internen Problemen gebe es Schwierigkeiten im Branchenumfeld und deutlichen Verkaufsdruck auf die Aktien. Honeywell hat seit der Veröffentlichung erster GE-Zweifel über die Genehmigung der Fusion durch die EU Mitte Juni 6,6 Mrd. Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt. Das Management habe sich in Erwartung der Übernahme durch GE in den vergangenen drei Quartalen nicht auf die Weiterführung der Geschäfte als eigenständiges Unternehmen konzentriert, fügte Bleustein hinzu.

Die Mehrheit der Experten geht indes davon aus, das Honeywell einen Käufer finden wird. Als häufigster Kandidat wurde United Technologies genannt. Das Unternehmen hatte bereits im vergangenen Oktober ein Angebot über 40 Mrd. Dollar abgegeben, bevor es im letzten Augenblick von GE überboten wurde. Analysten rechnen bei einer United/Honeywell-Fusion mit einem Einsparungspotenzial von mehr als einer Milliarde Dollar. Die EU-Ablehnung könne United aber von der baldigen Abgabe eines erneuten Angebotes abhalten, gaben einige zu bedenken.

Bonsignore soll einem Bericht der Online-Ausgabe des "Wall Street Journal" (WSJ) zufolge am Dienstag durch Lawrence Bossidy ersetzt werden. Das Board of Directors habe Bossidy einen einjährigen Vertrag angeboten, innerhalb dessen Laufzeit er Honeywell sanieren oder an einen anderen Interessenten verkaufen solle, berichtete das WSJ unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Kreise.

GE und Honeywell hatten in Erwartung einer schnellen Genehmigung ihren Fusionsantrag Anfang Februar 2001 bei der EU eingereicht. Noch im gleichen Monat kündigte Monti jedoch eine detaillierte viermonatige Prüfung an. US-Präsident George W. Bush und andere Regierungsmitglieder hatten dies kritisiert. Erstmals lehnte die EU die Verschmelzung zweier US-Firmen ab, die zuvor schon die Freigabe der US-Kartellbehörden erhalten hatten. EU-Wettbewerbskommissar Monti bezeichnete es unterdessen als unglücklich, dass EU- und US-Wettbewerbshüter unterschiedliche Entscheidungen getroffen hätten. Durch eine verstärkte Zusammenarbeit wolle er das Risiko solcher Differenzen für die Zukunft reduzieren.

Die Aktien von Honeywell gewannen im New Yorker Handel am Dienstag 2,79 % auf 35,06 Dollar. GE verloren 1,47 % auf 49,46 Dollar, während der Dow-Jones-Index um 0,4 % sank.

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