EU-Kommission korrigiert Meldung vom Vortag
Lob und Kritik für Brüsseler Vorschlag zu Gen-Lebensmitteln

Die Europäische Kommission hat am Donnerstag ihre Angaben über die geplante Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln in einem wichtigen Punkt korrigiert. Eier, Milch und Fleisch von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln ernährt wurden, sollen auch künftig nicht ausdrücklich gekennzeichnet werden müssen. Eine anders lautende Mitteilung vom Vortag sei ein Versehen gewesen, erläuterte eine Sprecherin.

dpa BRÜSSEL. Die Europaabgeordnete der Grünen, Hiltrud Beyer, kritisierte den Vorschlag der Kommission. Das Europäische Parlament müsse nun dafür sorgen, dass solche Lücken bei der Kennzeichnung geschlossen würden. Parlament und die EU-Regierungen müssen dem Vorschlag der Kommission zustimmen. Die neuen Bestimmungen sollen dann von 2003 an gelten.

Die Brüsseler Behörde hatte am Mittwoch einen Vorschlag für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) beschlossen. Mit einer umfassenden Kennzeichnungspflicht soll es demnach dem Verbraucher ermöglicht werden, klar zwischen gentechnisch veränderten und anderen Lebensmitteln zu unterscheiden. Außerdem ist ein EU-einheitliches und zentrales Zulassungsverfahren vorgesehen.

Nach Ansicht der Umweltschutz-Organisation Greenpeace ist die EU- Kommission den Verbrauchern mit diesem Vorschlag entgegenkommen. Die Gentechnikexpertin von Greenpeace, Imke Ide, betonte, dass damit auch eine Reihe von Lebensmitteln gekennzeichnet werden müsse, bei denen die veränderten Organismen im Endprodukt nicht mehr nachweisbar sind. Auch die grüne Europaabgeordnete Hiltrud Beyer lobte, dass mit der Abkehr vom Prinzip der Nachweisbarkeit im Endprodukt eine größere Transparenz für die Verbraucher erreicht werde.

Übereinstimmend kritisierten Greenpeace und die Abgeordnete aber, dass die Kommission eine "zufällige" Verunreinigung mit nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Substanzen bis zu einem Grenzwert von einem Prozent tolerieren will. "Das heißt, wenn etwa Kekse weniger als ein Prozent gentechnisch manipulierter Bestandteile enthalten, die in der EU nicht zugelassen sind, müssen diese auf der Packung nicht erwähnt werden", kritisierte Greenpeace-Expertin Ide.

Die-Grünen-Abgeordnete Beyer sagte, nach dem Vorschlag dürften zehn von 1 000 importierten Fischen "zufällig" gentechnisch verändert sein und frei in den Verkehr gebracht werden. "Damit ebnet die Kommission dem Inverkehrbringen ungenehmigter GVO den Weg", kritisierte die Abgeordnete. Das widerspreche zwei Grundsätzen des europäischen Gentechnikrechts: der Kennzeichnungspflicht und der Genehmigungspflicht.

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