EU-Kommission kritisiert wachsende Preisunterschiede für Klein- und Mittelklassewagen in Euro-Land
Autohersteller kassieren in Deutschland Spitzenpreise

Trotz Einheitswährung und EU-Binnenmarkt driften die Preise für neue Klein- und Mittelklassewagen in Euro-Land immer weiter auseinander. EU-Kommissar Mario Monti will handeln.

rut/stw BRÜSSEL. Deutschland und Österreich sind die teuersten Automärkte in Euro-Land. Das stellte die EU-Kommission in ihrer jüngsten Studie zur Preispolitik der Automobilhersteller fest. In Deutschland lägen die Vorsteuer-Preise für Neuwagen teilweise um mehr als 20 % über dem Niveau anderer EU-Staaten. Volkswagen, Ford, Opel, Fiat, Peugeot und eine Reihe japanischer Hersteller würden "in Deutschland eine Hochpreisstrategie verfolgen", kritisierte die Kommission.

Ein VW Golf kostet nach Kommissionsangaben in Deutschland vor Steuern 33 % mehr als in Finnland. Ähnliche Preisspannen wurden beim Opel Astra, beim Peugeot 306 oder beim Renault Clio konstatiert.

Die bevorstehende Einführung des Euro-Bargeldes brachte offenbar keine Preisangleichung. Im Gegenteil: Bei all diesen Modellen sei die Differenz zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Preis in der EU binnen Jahresfrist gestiegen. Die Hochpreispolitik der Konzerne sei für die deutschen Autofahrer nur deshalb erträglich, weil der Fiskus hier zu Lande vergleichsweise niedrige Steuern auf den Herstellerpreis aufschlage. So kostet ein VW Golf mit 75 PS bei einem deutschen Händler ohne Steuern 11 899 Euro, inklusive Steuern 13 802 Euro. Das gleiche Auto kostet in Finnland ohne Steuern zwar nur 8 937 Euro, inklusive Steuern jedoch 16 904 Euro. Wer den Golf allerdings in Griechenland kauft, kann Geld sparen: Dort kostet der Wagen inklusive Steuern 12 455 Euro.

Die EU-Kommission ließ erkennen, dass sie die Preisunterschiede für unakzeptabel hält, zumal in Euro-Land alle Wechselkursrisiken entfallen sind. "Die Zahlen zeigen, dass es nicht genug Wettbewerb gibt", sagte ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Der Kommissar will daraus Konsequenzen ziehen. Zum einen geht er weiterhin gegen Autohersteller vor, die ihren Kunden Reimporte aus EU-Staaten mit niedrigem Preisniveau verwehrt haben sollen. Daimler-Chrysler muss deshalb im Herbst mit einer Geldstrafe rechnen. Gegen VW hatte die EU-Kommission bereits ein Rekord-Bußgeld von 90 Mill. Euro verhängt.

Außerdem stellt Monti das exklusive Vertragshändlernetz der Autobranche in Frage. Die EU-Genehmigung dafür läuft im Herbst 2002 aus. Monti signalisierte, dass er den Rechtsrahmen für den Autohandel dann liberalisieren will. Dies könnte das Ende für die Vertragshändler mit abgeschottetem Vertriebsgebiet bedeuten.

Die Autoindustrie übte scharfe Kritik an Monti. Sein Preisvergleich sei "unfaire Effekthascherei", sagte der Brüsseler Vertreter von Daimler-Chrysler, Hanns R. Glatz, dem Handelsblatt. Schließlich gebe es in der EU bei allen Konsumgütern große Preisdifferenzen. Glatz begründete dies mit den Unterschieden bei Konsumentenverhalten und Steuerbelastung. Renault verwies auf die unterschiedliche Wettbewerbssituation je nach EU-Staat.

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