EU-Kommission prüft möglichen Verstoß gegen Datenschutz
Microsoft ändert Windows XP nun doch

Die Microsoft Corp. bereitet Änderungen an ihrem Betriebssystem Windows XP vor. Weil die Richterin Colleen Kollar-Kotelly im Kartellprozess gegen das Softwarehaus die von den neun US-Bundesstaaten geforderten harten Strafen offenbar noch nicht zu den Akten gelegt hat, gibt sich der Konzern nun einsichtiger.

dpa/Bloomberg/su REDMOND. Unter anderem soll nach US-Medienberichten die Internet-Software Explorer zwar Bestandteil von Windows bleiben, aber leicht abgeschaltet und durch Programme anderer Hersteller ersetzt werden können.

Auch die automatische Aufforderung, sich für Microsofts Authentifizierungsdienst "Passport" anzumelden, wird es künftig nicht mehr geben. Das hatten Datenschützer gefordert: Sie hatten kritisiert, dass durch die wiederholte Aufforderung der Eindruck entstehe, dass die Registrierung für Passport auch für die Nutzung von Windows XP erforderlich ist. Die Daten, die der Nutzer bei Passport eingibt, werden auf den Servern von Microsoft gespeichert. Registrierte Nutzer müssen diese Informationen - etwa Kreditkartendaten - nicht mehr extra eingeben, wenn sie im Internet surfen. Zudem soll Passport als virtueller Ausweis den Datenverkehr im Internet sicherer machen.

Die Europäische Kommission prüft nun, ob das Speichern solcher persönlicher Daten mit den Datenschutzgesetzen der EU kompatibel ist. "Für die Kommission hat die Untersuchung in Zusammenarbeit mit den nationalen Datenschutzorganisationen Priorität", heißt es in der Antwort auf eine Anfrage des niederländischen EU-Abgeordneten Erik Meijer. Er hatte Microsoft beschuldigt, die Informationen an unbekannte Dritte weiterzugeben. Zudem könne ein Nutzer bestimmte Seiten nicht aufrufen, wenn er nicht bei Passport registriert sei. Jon Filipek, Partner bei Weil Gotsal & Manges, gibt zu Bedenken, dass die "Berater der Kommission in der Vergangenheit immer eine harte Linie gefahren haben", wenn es um Datenschutz im Internet ging.

Mit den Änderungen bei Windows XP kommt Microsoft einer Auflage des US-Justizministeriums in der außergerichtlichen Einigung im Kartellprozess gegen den weltgrößten Softwarehersteller nach. Die Regierung hatte beanstandet, dass Microsoft durch die Verknüpfung seines Betriebssystems mit anderen konzerneigenen Programmen die Wettbewerber benachteilige. Microsoft hatte bisher immer wieder argumentiert, dass eine Entkoppelung technisch nicht möglich sei.

Viele Händler werden nach Einschätzung von Analysten möglicherweise nun häufiger Produkte von Microsoft-Konkurrenten wie AOL Time Warner oder Real Networks vorziehen. Die Software-Hersteller würden den Händlern Geld für den Einsatz ihrer Programme bieten, um die Marktposition zu stärken. "PC-Verkäufer sind wegen der geringen Gewinnspannen bemüht, Geld zu verdienen, wo immer sie können", sagt Mike Silver vom Marktforschungsunternehmen Gartner.

Anwender und Händler sollen mit Hilfe eines im Herbst erscheinenden kostenlosen Zusatzpaketes zu Windows, des so genannten Service Pack Nummer 1, künftig selbst entscheiden können, welche Sofware von welchem Hersteller sie nutzen.

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