EU-Kommission verhängte Strafen
SGL Carbon: Millionen-Bußgeld wegen Preisabsprachen

Der Wiesbadener Kohlenstoffspezialist SGL Carbon muss nun auch in Europa ein hohes Strafgeld wegen verbotener Preisabsprachen bei Grafitelektroden bezahlen. Die EU-Kommission fordert nach einer Entscheidung vom Mittwoch 80,2 Millionen Euro (160 Millionen Mark). Das ist die zweithöchste Bußgeldsumme, die die Kommission verhängte.

dpa BRÜSSEL/WIESBADEN. Neben der SGL Carbon muss auch die ebenfalls deutsche VAW Aluminium AG eine Buße zahlen. Auf dieses Unternehmen kommt eine Forderung von 11,6 Millionen Euro zu. Nach Brüsseler Überzeugung haben die beiden Firmen und sechs weitere internationale Hersteller ihre Preise bei Grafitelektroden, die in der Stahlerzeugung verwendet werden, abgesprochen.

Für die SGL Carbon waren in den USA vor zwei Jahren schon wegen illegaler Preisabsprachen 145 Millionen US-Dollar fällig, damit ein Kartellverfahren eingestellt wurde. Hinzu kam ein dreistelliger Millionen-Betrag für die Einigung in zivilrechtlichen Verfahren. Nach früheren Angaben hatten die Wiesbadener dafür - auch für das EU- Verfahren - aber schon rund 610 Millionen Euro zurückgestellt. Dennoch gab der Kurs der SGL-Aktie am Mittwoch nach Bekanntgabe der EU-Entscheidung um fast sechs Prozent auf rund 33,40 Euro nach.

Intraday-Chart

Brüssel verhängte mit insgesamt 218,8 Millionen Euro das zweithöchste Kartell-Bußgeld in der EU-Geschichte überhaupt. In den USA waren die führenden Kartellmitglieder bereits zu hohen Geldbußen verurteilt worden. Der US-Hersteller UCAR International zahlte laut Kommission 110 Millionen Dollar, SGL Carbon 135 Millionen Dollar. Das Kartell wurde 1992 auf Initiative von SGL und UCAR gegründet, die zusammen über zwei Drittel der Nachfrage in Europa abdecken. Bis zu 50 Prozent höhere Preise waren die Folge. Betroffen sind auch Tokai Carbon, Showa Denko, SEC, Nippon Carbon (alle Japan) und The Carbide Graphite Group (USA).

"Die Unternehmen kamen regelmäßig - auch auf der obersten Führungsebene - zusammen, um sich über abgestimmte Preiserhöhungen zu verständigen, die in der Regel vom Marktführer des Inlandsmarkts eingeführt und dann von den anderen Herstellern übernommen wurden", schrieb die Kommission.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte in Brüssel: "Die in diesem Fall verhängten beträchtlichen Geldbußen sind nicht nur wegen der besonderen Schwere des Verstoßes gerechtfertigt, sondern sollen auch andere Unternehmen davon abhalten, sich auf ähnliche illegale Praktiken einzulassen." Kartelle sind in der EU grundsätzlich verboten, Ausnahmen muss Brüssel billigen.

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