EU-Länder insgesamt verhalten
Bei der Forschung ist Deutschland Mittelmaß

Deutschland gibt nach wie vor zu wenig für die wirtschaftliche Zukunft aus. Bei den Investitionen für Forschung und Entwicklung liegt die Bundesrepublik deutlich hinter Ländern wie die Schweiz, USA, Schweden, Korea und Finnland.

HB/ay DÜSSELDORF. Das ist das Ergebnis einer Studie der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD). Gemessen am Bruttoinlandsprodukt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 2,5 Prozent für die gesamte Forschung und Entwicklung ausgegeben - damit immerhin noch mehr als alle 28 OECD-Mitglieder im Durchschnitt ausgegeben haben, nämlich 2,24 Prozent. Laut OECD-Angaben lagen die Gesamtausgaben aller Mitglieder bei 552 Milliarden Dollar, 1994 waren es noch 416 Milliarden Dollar.

Doch nicht nur Deutschland rangiert deutlich hinter den Spitzenreitern - die meisten Mitgliedsländer der Europäischen Union fallen hinter den Konkurrenten in aller Welt zurück. Dies liegt nicht nur an den relativ hohen Ausgaben der Nicht-EU-Länder in der OECD, sondern mehr noch an dem deutlichen Rückstand selbst großer EU-Staaten wie Italien, Spanien und Österreich. 1,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes geben die EU-Staaten aus gegenüber den 2,7 Prozent der USA und sogar 3 Prozent in Japan . Dieser Abstand dürfte sich in absehbarer Zeit kaum verringern, denn, so bilanziert die OECD, nur die Staaten, die früher schon relativ viel investierten, liegen auch in den Folgejahren vorn - Finnlands und Schwedens führende EU-Positionen dürften infolgedessen kaum gefährdet sein.

Wenn auch die gesamten Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den OECD-Ländern zwischen 1994 und 2001 um rund 32 Prozent gestiegen sind, dann jedoch hauptsächlich dank der Beiträge aus der Wirtschaft. Während die Regierungsbudgets für Forschung zwischen 1990 und 2001 nur um 8,3 Prozent stiegen, legten jene der Unternehmen um über 50 Prozent real zu - infolgedessen sank der Anteil der Regierungsausgaben an Forschung und Entwicklung drastisch von 39,6 Prozent auf unter 29 Prozent. Industrielle Forschung ist jedoch von existenzieller Bedeutung, als Forschung letztlich in höherer Produktivität mündet - sowohl durch rationellere Formen der Produktionsabläufe als auch durch Verbesserung der Produkte. Angesichts der budgetären Zwänge der meisten Mitglieder sieht die OECD-Studie die Aufgabe der Regierungen darin, die Grundlagenforschung als Unterstützung der Industrieforschung zu forcieren. Als Hebel empfiehlt die Studie Steuererleichterungen, Kredite und Kreditgarantien für Firmen beziehungsweise deren Forschungsprojekte.

Die weitaus meisten industriellen Forschungsausgaben entfielen in den vergangenen Jahren allerdings auf Informations- und Telekommunikationsbranchen sowie auf den Dienstleistungsbereich. In Finnland, Irland und den USA lagen diese Quoten über 70 Prozent aller Forschungsausgaben - und damit in jenen drei Staaten, in denen die Forschungseffizienz laut OECD-Meinung am höchsten war. Messbar ist solche Effizienz unter anderem am Anteil von forschungsintensiven Branchen an den Exporten: Er lag 2001 in Deutschland bei einem Mittelplatz mit rund 8 Prozent, in Irland dagegen bei 40 Prozent (dank riesiger Ausgaben in den achtziger und neunziger Jahren), während andere forschungsintensive Exportländer wie die Niederlande, Schweiz, Finnland und Schweden sowie Ungarn zwischen 12 und über 20 Prozent verbuchen konnten.

Quelle: Handelsblatt

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