EU macht Zugeständnisse
Klimagipfel vor dem Scheitern

Die Verhandlungen auf dem Weltklimagipfel in Bonn verzögern sich voraussichtlich bis spät in die Nacht zum Montag. Trotz harter Verhandlungen zeichnete sich bis Sonntagabend keine Einigung ab. Nach einem schleppenden Verlauf und weiteren Differenzen wollte sich Konferenzpräsident Jan Pronk am Sonntagabend erneut mit einer Länderkerngruppe über Lösungen beraten.

dpa BONN. Die Erklärungen der Staats- und Regierungschefs vom G-8-Gipfel aus Genua zum Klimaschutz seien nicht hilfreich gewesen, betonte Pronk. Ziel in Bonn ist eine Vereinbarung über ein Regelwerk zur Verminderung der klimaschädlichen Treibhausgase. Ohne eine solche Übereinkunft kann das Kyoto-Protokoll von 1997 nicht in Kraft treten. Während die EU einen Kompromissvorschlag von Pronk akzeptieren wollte, lehnten Japan, Kanada und Australien ihn ab.

Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) betonte, der Kompromissvorschlag von Pronk bleibe deutlich hinter den Vorstellungen der EU und auch Deutschlands zurück. Die EU sei aber bereit, "diesen Preis zu zahlen", um in Bonn eine Einigung zu erreichen.

Trittin appellierte vor allem an Japan, eine Verständigung nicht zu blockieren. Der Kompromiss komme Japan entgegen und erfülle dessen Forderungen nach Anrechnung von Wäldern als Klimaschutzmaßnahme. Japan hätte demnach seinen Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) aus Industrie oder Verkehr weit weniger zu vermindern.

Auch die Umweltschutzorganisationen forderten Japan auf, den Kompromiss zu akzeptieren. Es gebe jetzt keinen Grund mehr, einer Verständigung nicht zuzustimmen. Japan spielt nach dem Ausscheren der USA aus den Verhandlungen zum Kyoto-Protokoll eine entscheidende Rolle für eine Verständigung und eine Ratifizierung.

Vom G-8-Gipfel wurde auf Grund der prinzipiellen Ablehnung des Kyoto-Protokolls durch die USA kein eindeutig positives Signal nach Bonn gesandt. Für die Haltung Japans wie auch Russlands und Kanadas sei wohl entscheidend, welche Linie die Staats- und Regierungschefs dieser Länder letztlich vertreten, erläuterte Trittin. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte noch vor Abschluss der Bonner Verhandlungen in Genua: "Wir werden weiter unser Bestes geben."

Mit seinem Vorschlag hatte Pronk in Bonn eine Entscheidung herbeiführen wollen. Es gebe keinen Raum mehr für neue Verhandlungen, machte er deutlich. Entweder sein Papier werde angenommen oder nicht. Dazu waren aber Länder wie Japan, Kanada, Australien nicht bereit. Russlands Position war unklar.

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