EU-Richtlinie seit Jahren nicht ratifiziert
Finanzplaner im rechtsfreien Raum

Zwischen Vermögensberater und Kunde muss ein Vertrauensverhältnis herrschen. Wie sein Gegenüber sich allerdings für die Beratung qualifiziert hat, dürfte dem Kunden in den meisten Fällen verborgen bleiben. Welche Qualität die hausinterne Aus- und Weiterbildung zum Finanzplaner oder Vermögensberater bei den marktbeherrschenden Allfinanzvermittlern hat, entzieht sich einer standardisierten öffentlichen Prüfung.

fgh DÜSSELDORF. Grundsätzlich ist die Berufsbezeichnung Finanzberater in Deutschland bislang gesetzlich ungeschützt. Im Gegensatz zu staatlich anerkannten Ausbildungsberufen wie Bank-, Versicherungs- oder Immobilienkaufmann gibt es für die Berater und Vermittler von oft hochkomplizierten Allfinanzprodukte zumindest von staatlicher Seite aus bislang noch keine Ansprüche an die Mindestqualifikation.

Eine EU-Empfehlung existiert zwar seit Jahren, sie ist aber - ebenso wie eine mögliche zukünftige ISO-Norm - rechtlich bislang nicht bindend. "Die EU-Richtlinie KOM 2511 liegt zwar schon seit 1995 vor", sagt Geschäftsführer Heubel von der Deutschen Akademie für Vermögensberatung, "doch sie ist bislang nicht in nationales Recht umgesetzt worden. Die ganze Branche wartet auf die Ratifizierung, die möglicherweise bis Ende dieses Jahres erfolgen könnte." Bislang genügt dem selbstständigen Handelsvertreter hierzulande der Gewerbeschein, um komplexe Kapitalanlagen als zu vermitteln.



"Corporate University" soll Eindruck machen



Die großen Finanzvermittlungsfirmen unterstreichen indes bei jeder Gelegenheit, wie gut die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter sei. Teilweise bestehen Kooperationen mit Universitäten, die Schulungsinhalte der zukünftigen Finanzplaner sind beim AWD beispielsweise für viel Geld teils von Experten (wie Prof. Dr. Steiner von der Universität Passau) entwickelt worden und weitergehende Qualifizierungsmaßnahmen sind für Mitarbeiter, die aufsteigen wollen, Pflicht. AWD hat im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben rund 15 Mill. DM für die Ausbildung seines Aussendienstes aufgewendet. 1 000 Finanzberater wurden Konzernweit, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgebildet.



Doch selbst imageträchtige Bezeichnungen wie etwa die der "Corporate University", an der die Berater des börsennotierten Finanzdienstleisters Marschollek Lautenschläger und Partner ( MLP ) lernen, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Branche überwiegend hausintern aus- und weitergebildet wird.



"Klassendurchschnitt" genügt expandierenden Finanzdienstleistern nicht



Tatsächlich haben die Aus- und Weiterbildungsangebote für Finanzplaner und Vermögensberater - etwa vom Bundesverband der Finanz e.V., -Planer dem Berufsbildungswerk der Deutschen Versicherungswirtschaft oder dem Berufsbildungswerk der Bausparkassen sowie einigen Industrie- und Handelskammern und Verbänden - nicht zuletzt unter dem Druck der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren stark zugenommen.



Doch welcher Kunde kennt schon die Unterschiede zwischen einem "Bauspar- und Finanzierungs-Fachmann", einem "Fachwirt für Finanzdienstleistungen" und einem "Fachberater" bzw. einem "Geprüften Finanzplaner"? Was trotz aller Bemühungen um Aus- und Weiterbildung fehlt, ist das einheitliche Berufsbild, das die Kunden verstehen, mit dem sie Inhalte verbinden können, bemängeln Verbraucherschützer. Welche Qualität die hausinterne Aus- und Weiterbildung bei den marktbeherrschenden Allfinanzvermittlern hat, entzieht sich außerdem meist einer standardisierten öffentlichen Prüfung.



Gerade aus "Gründen der Qualität" geht dem börsennotierten Finanzdienstleister MLP, der auf die gut verdienende akademische Zielgruppe abonniert ist, die geplante ISO-Norm schon jetzt nicht weit genug. Ein Mitarbeiter, der ungenannt bleiben möchte, sagt: "Wir begrüßen alles, was einer hochqualifizierten Zertifizierung nahe kommt. Doch an jeder Normierung hängen auch Probleme." Eine Norm, die letztendlich vermarktet werden solle, müsse um des eigenen Markterfolges willen ja auch von möglichst vielen Unternehmen erfüllt werden, heißt es weiter, daher werde die Benchmark vermutlich nicht allzu hoch angesiedelt sein. Aus Kundensicht allerdings, so der MLP-Mitarbeiter, könne die Norm als Messlatte für die Aus- und Weiterbildung von Vermögensberatern sowie für die Qualität der Beratung "eigentlich nie hoch genug angelegt werden." Daher dürfe in der Praxis gerade eine weltweit gültige ISO-Norm wohl eher wie ein Klassendurchschnitt wirken, heißt es, das könne den Ansprüchen eines international expandierenden Vermögensberaters wie MLP natürlich nicht genügen, "da wir immer über einer solchen Norm liegen möchten."

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