EU-Schutzmaßnahmen gefordert
Thyssen-Krupp: Geringe Folgen durch US-Zölle

Deutschland größter Stahlhersteller Thyssen-Krupp erwartet durch die von den USA angekündigten Schutzzölle für Stahlimporte keine wesentlichen Ertragseinbußen und keine Gefahr für Arbeitsplätze.

Reuters DÜSSELDORF. Die Stahltochter des Konzerns liefere jährlich Stahl im Wert von 200 Millionen Euro in die USA und damit nur knapp zwei Prozent des Gesamtumsatzes des Stahlbereichs, begründete Ulrich Middelmann, stellvertretender Konzernchef und Vorstandschef der Stahltochter, am Mittwoch in Düsseldorf diese Prognose. Middelmann forderte indes von der EU Schutzmaßnahmen, die verhindern sollen, dass Stahl aus Drittländern, der normalerweise auf dem US-Markt angeboten wird, auf Grund der US-Zölle nun auf die europäischen Märkte gelangt.

Middelmann kündigte an, schon bald mit den Geschäftspartnern in den USA - das sind vor allem die großen Automobilhersteller - über eine "Lastenverteilung" der künftig durch die Zölle um bis zu 30 Prozent teureren Stahlprodukte zu verhandeln. Darüber hinaus zeigte er sich zuversichtlich, dass es in absehbarer Zeit eine Zollbefreiung für einzelne Stahlprodukte geben wird.

US-Präsident George Bush hatte am Dienstag angekündigt, in 120 Tagen die zunächst auf drei Jahre festgesetzten Zölle zu überprüfen. Bis dahin müssen US-Stahlverbraucher Ausnahmen beantragen und nachweisen, dass sie auf dem heimischen Markt keinen gleichwertigen Ersatz für die Importe bekommen. Die USA seien beispielsweise nicht in der Lage, den Bedarf an hochwertigen Blechen für die Autoindustrie auf dem Inlandsmarkt zu decken, sagte Middelmann.

Auch die Sorge einiger europäischer Stahlfirmen vor so genannten umgeleiteten Stahlmengen durch die Abschottung des US-Marktes sieht Middelmann für Thyssen-Krupp als nicht gravierend an. Aus Asien und anderen Erdteilen seien überwiegend Massenprodukte wie Profilstähle in Europa zu erwarten. Aus diesen Bereichen habe sich Thyssen-Krupp aber schon vor Jahren zurück gezogen. Die hochwertigen Flachprodukte seines Hauses seien zum großen Teil durch langfristige Lieferverträge vor der ausländischen Konkurrenz geschützt, sagte Middelmann.

In der nächsten Woche wollen sich die europäischen Stahlhersteller nach Middelmanns Auskunft in Brüssel treffen um eine gemeinsame Forderungsposition gegenüber der EU-Kommission abzusprechen. Dabei gehe es vor allem um die Abwehr von Einführen aus Drittländern. Angestrebt werde auch eine Beschwerde vor der Welthandelsorganisation (WTO). Middelmann zeigte sich überzeugt, dass die Zölle dort keinen Bestand haben werden. Erfahrungsgemäß werde es aber lange dauern, bis die WTO solche Verfahren entscheide. "In den nächsten sechs Monaten ist da sicher nichts zu erwarten."

Für das noch bis September laufende Geschäftsjahr 2001/02 hatte ThyssenKrupp jüngst ein Ergebnis vor Steuern in der Größenordnung von einer halben Milliarde Euro vorausgesagt. Zum Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres waren bei Thyssen-Krupp Steel rund 51 000 Menschen beschäftigt.

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