EU setzt auf stärkeren diplomatischen Druck
NATO will Truppen im Kosovo verstärken

Angesichts der anhaltenden Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften will die Nato ihre Truppen an der Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien verstärken. In Tetovo intensivierten unterdessen mazedonische Truppen den Beschuss albanischer Stellungen.

afp BRÜSSEL. Angesichts der anhaltenden Kämpfe zwischen albanischen Rebellen und mazedonischen Sicherheitskräften will die Nato ihre Truppen an der Grenze zwischen dem Kosovo und Mazedonien verstärken. Soldaten der Nato-Friedenstruppe KFOR sollten in der Grenzregion stationiert werden, sagte Nato-Generalsekretär George Robertson am Montag in Brüssel anlässlich eines Treffens mit dem mazedonischen Außenminister Srdjan Kerim.

Die Europäische Union (EU) setzt nach den Worten von Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne) auf verstärkten diplomatischen Druck, um der Gewalt in Mazedonien ein Ende zu bereiten. Ein Einsatz von KFOR-Soldaten in Mazedonien stehe derzeit nicht an, sagte Fischer am Rande der Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. In Tetovo intensivierten unterdessen mazedonische Truppen den Beschuss der Rebellen-Stellungen.

Wie viele zusätzliche Soldaten an die Grenze verlegt werden sollten, wollte Robertson zunächst nicht sagen. Durch schärfere Kontrollen soll verhindert werden, dass Waffen nach Mazedonien geschmuggelt werden und albanische Extremisten zur Verstärkung in den Norden des Landes gelangen. Robertson betonte, die Nato werde eine "gewaltsame Verschiebung der Grenzen nicht hinnehmen". Die Allianz sei entschlossen, die "Extremisten zu isolieren". Militäroperationen der Nato im mazedonischen Landesinneren schloss er jedoch aus. Robertson wollte anschließend gemeinsam mit Kerim an den Beratungen der EU-Außenminister teilnehmen.

Diese unterstützten die Entscheidung der KFOR, die Grenzen zwischen Kosovo und Mazedonien verstärkt zu kontrollieren. Für eine Ausweitung des Einsatzmandats der KFOR-Truppen im Kosovo auch auf Mazedonien setzte sich Fischer zufolge vor allem die österreichische Ministerin Benita Ferrero-Waldner ein. Dagegen wies der außenpolitische Repräsentant der EU, Javier Solana, erneut darauf hin, dass die KFOR-Truppen kein Mandat für Mazedonien hätten. Er sollte noch am Montag nach Skopje reisen. Am späten Nachmittag sollten auch die Nato-Botschafter zu Beratungen zusammenkommen. In Brüssel sollte zudem der rumänische Außenminister und amtierende Vorsitzende der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Mircea Geona, mit Robertson sprechen.

In Moskau signalisierte der russische Präsident Wladimir Putin Unterstützung für eine internationale Militäraktion gegen die albanischen Rebellen. Nur entschiedenes politisches Handeln und notfalls auch Militäraktionen könnten eine Ausbreitung des Konflikts auf den ganzen Balkan verhindern, schrieb Putin an seinen jugoslawischen Kollegen Vojislav Kostunica. Der russische Außenminister Igor Iwanow betonte nach einem Gespräch mit Kostunica in Belgrad, die internationale Gemeinschaft müsse dem "internationalen Terrorismus" in Südserbien und Mazedonien Einhalt gebieten.

Gefechte in Tetovo flammen wieder auf

Im westmazedonischen Tetovo flammten die Gefechte nach einem kurzen Waffenstillstand wieder auf. Mazedonische Truppen versuchten, die nur wenige hundert Meter entfernten Rebellen aus ihren Stellungen auf einem Berghang zu vertreiben. Von der Innenstadt aus waren Salven schwerer Maschinengewehre zu hören. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) flüchteten bislang rund 1 600 Menschen von Mazedonien nach Albanien. 480 von ihnen seien ins Kosovo weitergeflüchtet.

Bundeswehr zieht Soldaten aus Tetovo ab

Die Bundeswehr schloss unterdessen die Umgruppierung ihrer bislang in Tetovo stationierten Soldaten ab. In der Kaserne sind nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums nun noch 200 Soldaten stationiert. Auch diese sollten nach Ansicht des Bundeswehrverbandes abgezogen werden, falls ihre Verwicklung in Kampfhandlungen droht. Die Stationierung von Soldaten in Tetovo sei "keine Dauerlösung", sagte der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) lehnte dagegen einen Abzug deutscher Soldaten aus Mazedonien ab. Das Risiko sei im Augenblick "beherrschbar".

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