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EU-Staaten offenbar für Ausweitung von BSE-Tests

Angesichts der neuen BSE-Krise haben sich die EU-Landwirtschaftsminister offenbar mehrheitlich für eine Ausweitung der Tests an Rindern ausgesprochen. Wie aus einem Entwurf der Schlussfolgerungen beim EU-Agrarrat am Montag hervorging, sollten die Schnelltests ab dem 1. Januar auf alle Rinder ausgedehnt werden, die auffällige Symptome aufweisen und älter als zwei Jahre sind.

ap BRÜSSEL. Ab Juli kommenden Jahres sollten danach auch ältere Schlachtrinder getestet werden, deren Fleisch auf dem Teller des Verbrauchers landet. Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke zeigte sich mit der Ausweitung der BSE-Tests "grundsätzlich einverstanden".

Die EU-Agrarminister suchten nach Wegen, das Vertrauen der Verbraucher in Rindfleisch wieder zu stärken. EU-Verbraucherkommissar David Byrne äußerte Zweifel, dass alle EU-Staaten die Sicherheitsmaßnahmen gegen den Rinderwahnsinn strikt einhalten. Byrnes Sprecherin Beate Gminder sagte, es gebe eine grundsätzliche Übereinstimmung, dass die Tests ausgeweitet werden sollten. Die Beratungen der EU-Agarminister zu dem Thema dauerten am späten Montagabend noch an. Eine Entscheidung wird am Dienstag oder Mittwoch von den Veterinärexperten der Mitgliedsländer gefällt.

Funke sagte, im Fall der Ausweitung der Tests auf alle "genussfähigen Rinder" über zwei Jahre müsse noch über die Finanzierung diskutiert werden. Funke rechnete vor, dass in Deutschland in den nächsten Jahren 5,4 Mill. Rinder getestet werden müssten. Die Kosten beliefen sich pro Test auf rund 200 DM, Labor-, Transport- und Personalkosten inbegriffen. Die Kommission müsse sich an den Kosten beteiligen, forderte Funke.

Was die Verfütterung von Tiermehl angeht, so schloss sich Funke einem Vorschlag des Europaparlaments an, das in der vergangenen Woche ein vollständiges Verbot vorgeschlagen hatte, so lange die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften bei der Herstellung und das EU-weite Verbot der Verfütterung an Wiederkäuer nicht eingehalten werde. Tiermehl muss nach wissenschaftlichen Erkenntnissen bei 133 Grad und drei Bar 20 Minuten lang erhitzt werden, damit das BSE-Virus nicht überlebt. Ein generelles Verbot von Tiermehl in Deutschland hielt der Landwirtschaftsminister für unnötig, da die Trennung des Tierfutters für Wiederkäuer und Schweine oder Hühner ebenso wie die sachgerechte Verbrennung der Kadaver gewährleistet sei.

Frankreich hatte in der vergangenen Woche vorläufig die Verfütterung von Tiermehl an alle Tiere verboten, nachdem allein in diesem Jahr fast hundert Fälle von Rinderwahnsinn entdeckt worden waren - nicht zuletzt durch umfangreiche Tests. Dem Entwurf der Schlussfolgerungen zufolge begrüßten die EU-Landwirtschaftsminister die Selbstverpflichtung Frankreichs, kein Tiermehl und keine T-Bone-Steaks zu exportieren, die auf seinem eigenen Territorium als riskant gelten und verboten sind.

Italien hatte in der vergangenen Woche die Einfuhr von französischem Rindfleisch verboten. Funke sprach sich gegen nationale Alleingänge aus, die im EU-Binnenmarkt wirkungslos seien.

EU-Agrarkommissar Franz Fischler stellte die Frage, wie die nötigen Proteine bei der Mast ersetzt werden können, wenn Tiermehl generell verboten werde. Die EU stelle drei Mill. Tonnen Tiermehl jährlich her, von denen sie 2,5 Mill. Tonnen an das heimische Vieh verfüttere. Bei einem Verbot müssten die Sojaimporte aus den USA sprunghaft ansteigen.



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