EU stimmt Kauf von Aventis Cropscience unter Auflagen zu
Bayer senkt Prognose für Cropscience

Bayer ist beim Kauf der Pflanzenschutzgruppe Aventis Cropscience kurz vor dem Ziel. Die EU-Kartellwächter stimmen dem Geschäft zu, allerdings muss sich Bayer von 600 Millionen Euro des kombinierten Umsatzes trennen. Als Interessenten stehen bereits BASF, Dupont und Dow Chemical bereit.

bef/rut BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Die Bayer AG darf den Agrochemihersteller Aventis Cropscience übernehmen, muss allerdings einen Teil der kombinierten Pflanzenschutzgruppe abgeben. Das entschied EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti. Nach Angaben des Leverkusener Konzerns entsprechen die Abgaben einem Umsatzvolumen von jährlich 600 Mill. Euro, das sind rund 9 % des kombinierten Erlöses beider Unternehmen.

Bayer nahm wegen der Auflagen gestern die Umsatzprognose für die Bayer Cropscience AG von 8 Mrd. Euro im Jahr 2005 zurück. Eine neue Prognose machte der Konzern nicht. Das Ziel einer operativen Umsatzrendite von 20 % hält Bayer für 2005 aber aufrecht. Der Weg für die Fusion ist allerdings noch nicht frei, denn die Zustimmung der US-Wettbewerbsbehörde steht noch aus.

Mit der 7,25 Mrd. Euro teuren Übernahme wird Bayer hinter der Schweizer Syngenta AG zweitgrößter Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und einer der führenden Saatgut-Produzenten. Bayer und Aventis haben nach Zahlen aus dem Jahr 2000 in diesen Sparten einen kombinierten Umsatz von 5,9 Mrd. Euro erzielt, ohne Berücksichtigung der abzugebenden Geschäfte.

Die kartellrechtlichen Probleme bei der Übernahme konzentrierten sich erwartungsgemäß auf das Geschäft mit Insektenvernichtungsmitteln, in dem der Leverkusener Konzern bereits vor dem Kauf eine starke Stellung hatte. Monti stellte die Zusage von Bayer daher als besonders wichtig heraus, das Geschäft mit dem weltweit meistverkauften Insektenvernichtungsmittel Fipronil einschließlich Produktionsanlagen abzugeben.

"Damit werden die Wettbewerbsbedenken bei Mitteln für die gewerbliche Schädlingsbekämpfung ausgeräumt", erklärte die EU-Kommission. Mit Fipronil hat Aventis im Jahr 2000 einen Umsatz von 200 Mill. Euro erzielt.

Zudem muss Bayer das Aventis-Europageschäft für fünf Pilzbekämpfungsmitteln (Fungizide) abgeben. Es soll zusammen mit der Fipronil-Herstellung im Block an einen Interessenten veräußert werden. Damit verliert Bayer fast die gesamte Saatgutbehandlungssparte von Aventis an einen Wettbewerber. Die EU-Kommission legte darauf besonderen Wert, weil auf diesem "hochspezialisierten Sektor der Agrochemie nur Bayer, Aventis Crop Science und Syngenta in nennenswertem Umfang vertreten" seien, erklärte die Behörde.

Auch in dem Geschäft mit Schneckengifte und Unkrautvertilgungsmittel (Herbizide) müsse sich Bayer von Aktivitäten trennen, heißt es weiter. Damit sei gewährleistet, dass Bayer nach der Übernahme keinen Markt dominieren könne.

Bayer-Chef Manfred Schneider hatte sich bereits zuvor als "sehr zufrieden" mit dem Verhandlungsergebnis mit der EU geäußert. Intern hatte der Konzern von Beginn an mit Auflagen im Insektizidgeschäft gerechnet. Analyst Heinz Müller von der DZ Bank zeigte sich ebensowenig von den Auflagen der EU überrascht. Sie entsprächen überwiegend den Erwartungen und seien für Bayer zu verkraften. Auch mit den jetzt erteilten Auflagen sei die Übernahme für Bayer positiv zu werten, sagte Müller.

Als aussrichtsreicher Kandidat für den Kauf der von Bayer abzugebenden Geschäfte gilt die BASF AG. Der Ludwigshafener Konkurrent hatte schon früh Interesse am Ausbau des Insektizidgeschäfts bekundet. Wegen der geringen Chancen für weitere Großfusionen dürften aber auch Branchengrößen wie Dupont oder Dow Chemical zu den Interessent gehören.

Quelle: Handelsblatt

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