EU-Verkehrskommissarin: Schlechter Zeitpunkt
Europa steht wegen Fluglotsenstreiks Chaos bevor

Die Geduld der Flugreisenden in Europa wird am Mittwoch auf eine harte Probe gestellt: Der Dachverband der Fluglotsen-Gewerkschaften ATC hat Streiks in Frankreich, Italien, Portugal, Griechenland und Ungarn angekündigt.

Reuters PARIS. Die Fluglotsen protestieren gegen Pläne der Europäischen Union (EU) für eine Single-Sky-Initiative, mit der die bislang nationalen Flugzonen durch einen einheitlichen europäischen Luftraum ersetzt werden sollen. Der ATC argumentiert, durch die Single-Sky-Initiative gehe nationale Souveränität verloren, außerdem sei dies möglicherweise der erste Schritt zur Privatisierung. Der Streik der Fluglotsen dürfte vor allem Kurzstreckenflüge lahm legen. Langstreckenflüge seien weniger betroffen, teilten die Fluggesellschaften mit. Hinzu kommt jedoch, dass Flüge zwischen Deutschland und Spanien wegen des für Donnerstag geplanten Generalstreiks in Spanien verlegt werden sollen - auf Mittwochabend oder in die Nacht zu Freitag.

Der Streik der Fluglotsen fällt zusammen mit der Debatte über die Single-Sky-Initiative im Europäischen Parlament in dieser Woche und dem EU-Gipfel am Wochenende in Sevilla. Der "Single Sky" würde einen europaweit einheitlichen oberen Luftraum schaffen, die technischen Standards der Staaten harmonisieren und eine bessere Koordinierung des zivilen und militärischen Flugverkehrs bedeuten. In einer zweiten Phase soll auch der untere Luftraum vereinheitlicht werden. Ziel ist nach Angaben der EU-Kommission, die Zahl der Flugverspätungen zu verringern und mehr Flüge zu ermöglichen.

Streik bereitet Fluggesellschaften Kopfschmerzen

Dass die Bildschirme in den Abflughallen keine Starts anzeigen, könnte in diesem Sommer allerdings ein häufiger Anblick werden. Die französischen Gewerkschaften haben mit weiteren Streiks gedroht, sollte die EU die öffentliche Debatte über die Single-Sky-Initiative nicht wieder aufnehmen. "Sollte sich die EU entschlossen zeigen, diese Reform durchzupeitschen, sind wir zu weiteren Aktionen bereit", sagte Patrick Malandin von der französischen Gewerkschaft USAC-CGT. "Und warum nicht in diesem Sommer?"

Der Streik der Fluglotsen ist ein weiteres Problem, das den europäischen Fluggesellschaften Kopfschmerzen bereitet. Noch immer haben die Unternehmen mit den Folgen der Anschläge mit entführten Flugzeugen am 11. September in den USA zu kämpfen: Die Umsätze sanken, die Ausgaben für Sicherheitsvorkehrungen und Versicherungen stiegen.

"Die europäischen Fluggesellschaften haben noch immer große Schwierigkeiten", sagte EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio am Montag in Brüssel. "Dies ist der schlechtest mögliche Zeitpunkt, einen Streik zu organisieren."

Die französische Fluglinien Air France teilte mit, nur etwa zehn Prozent der Kurz- und Mittelstreckenflüge würden am Mittwoch starten. Dagegen würden vermutlich 90 % der Langstreckenflüge sichergestellt. Alitalia strich nach eigenen Angaben 50 Flüge am Mittwoch. British Airways teilte mit, bis auf vier seien alle 126 Flüge am Mittwoch nach Frankreich gestrichen worden. Auch Flüge nach Italien, Portugal und Griechenland seien voraussichtlich betroffen. In Griechenland hatten Urlauber bereits am Dienstag einen Vorgeschmack: Dort wurden aus Protest gegen Rentenkürzungen Fähren, Züge und Busse bestreikt.

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