EU-Verkehrsminister geben Startschuss für europäisches Satellitennavigationssystem
Galileo soll Wachstumsmarkt erschließen

Neue Konkurrenz für die Amerikaner: Nach Airbus-Flugzeugen und Ariane-Trägerraketen wird in Europa nun auch ein System für die Satellitennavigation gebaut. Ab dem Jahr 2008 soll "Galileo" der privaten Wirtschaft präzise Navigationssignale von 30 Satelliten aus dem Orbit bieten.

MÜNCHEN. Europa wird ein eigenes Satellitennavigationssystem aufbauen. Ende vergangener Woche stimmten die EU-Verkehrsminister den Plänen zu, das allein für zivile Anwendungen vorgesehene System "Galileo" bis zum Jahr 2008 zu errichten. Damit bekommt das amerikanische Navigationssystem GPS erstmals Konkurrenz. Nun beginnen die Ausschreibungen für private Investoren, die sich an dem Aufbau des finanziell aufwendigsten EU-Projekts beteiligen wollen.

"Galileo ist eine Investition der EU in die Infrastruktur Europas", sagt Klaus Enßlin, Vorstandsmitglied des europäischen Raumfahrtunternehmens Astrium, das die 30 Satelliten entwickeln und bauen wird. Zuverlässige Navigation soll nicht nur Autos, Schiffe, Bahnen oder Flugzeuge besser und sicherer steuern. Die ermittelten Daten lassen sich auch in der Umweltforschung nutzen.

Wenn Galileo seinen vollen Betrieb aufnimmt, werden 30 Navigationssatelliten in 23 000 Kilometer Höhe um die Erde kreisen. Von den Gesamtkosten des Systems in Höhe von 3,2 Mrd. Euro entfallen rund 1,1 Mrd. Euro auf die Entwicklung. Dazu gehört auch der Abschuss von vier ersten Galileo-Satelliten in eine Umlaufbahn um die Erde. Mit dem Startsignal der EU-Verkehrsminister für das Projekt sind auch die ersten 100 Mill. Euro Finanzierungsmittel von der Union für dieses Jahr verbunden. Galileo soll eine Lebensdauer von mindestens 15 Jahren haben - angesichts 225 Mill. Euro an jährlichen Betriebskosten summieren sich die gesamten Investitionen damit auf rund 6,6 Mrd. Euro.

Die Entscheidung der Europäischen Union für das 3,2 Mrd. Euro schwere Projekt ist ein klares Votum gegen die zunehmende Abhängigkeit Europas von dem derzeit einzigen globalen Satellitennavigationssystem GPS, das unter der Kontrolle des amerikanischen Verteidigungsministeriums steht. Die Tragweite des EU-Beschlusses für Galileo vergleicht Enßlin daher mit der Entscheidung Europas für eine eigene Luft- und Raumfahrtindustrie und Produkten wie Airbus-Flugzeugen oder Ariane-Trägerraketen.

Navigation und die genaue Bestimmung von Standorten mit Hilfe von Satelliten gilt als der große neue Wachstumsmarkt der kommenden Jahrzehnte. Bereits heute beträgt der auf GPS aufbauende Markt weltweit rund 3 Mrd. $ - im Jahr 2003 soll es das Doppelte sein. Allein in Europa sollen nach einer Studie der Europäischen Union bis zum Jahr 2005 rund 100 Millionen Endgeräte mit Satellitennavigation ausgestattet sein, bis 2015 sollen es 260 Millionen sein. Den gesamtwirtschaftlichen Vorteil für die Staaten der EU beziffert die Studie bis zum Jahr 2020 auf insgesamt rund 74 Mrd. Euro.

Den größten Anteil bei den von Galileo versorgten Endgeräten werden Massen- und Konsumprodukte wie Mobiltelefone, Kleincomputer wie Personal Digital Assistants (PDA) oder Systeme zur Fahrzeug-Navigation haben, außerdem auch Systeme für die Verkehrslenkung. Damit soll das Straßen- und Schienennetz besser genutzt werden.

Allein der durch Verkehrsstaus auf deutschen Straßen entstehende volkswirtschaftliche Verlust summiert sich für die Bundesrepublik laut einer aktuellen Untersuchung des Automobilherstellers BMW auf jährlich rund 95 Mrd. Euro. Galileo soll Autofahrern in Ballungsräumen helfen, Staus zu umfahren. Außerdem unterstützt das System Notruf- und Sicherheitsdienste, hilft bei Frachtmanagement oder der Streckenüberwachung für Eisenbahnen. Schließlich lassen sich Schiffsbewegungen im Küstenbereich wie auf hoher See verfolgen. Auch Flugverkehr, Landwirtschaft und Fischerei sollen profitieren.

Bis Ende dieses Jahres soll die private Wirtschaft ihre Bereitschaft eines finanziellen Engagements an Galileo äußern. Bis 2003 ist eine 50-Prozent-Beteiligung der Unternehmen erforderlich. Enßlin ist optimistisch: "Wir sind davon überzeugt, die nötigen 1,6 Milliarden Euro zusammenzubekommen."

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