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EU weit hinter ihren Wachstumszielen - Auch Banken haben Zweifel

Die Europäische Union sieht ihr Ziel, bis 2010 stärkste Wirtschaftsregion der Welt zu werden, kurz vor dem Scheitern. Zu diesem Ergebnis kommen nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" hochrangige Beamte aus den Mitgliedstaaten in einer Expertise für die Wirtschafts- und Finanzminister der EU. Bei der Zunahme von Produktivität und Beschäftigung hinkten die EU-Länder noch immer weit hinter den USA hinterher. Zudem liefen in rund der Hälfte der Mitgliedsländer die Staatsfinanzen aus dem Ruder.

dpa-afx FRANKFURT/HAMBURG. Die Europäische Union sieht ihr Ziel, bis 2010 stärkste Wirtschaftsregion der Welt zu werden, kurz vor dem Scheitern. Zu diesem Ergebnis kommen nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" hochrangige Beamte aus den Mitgliedstaaten in einer Expertise für die Wirtschafts- und Finanzminister der EU. Bei der Zunahme von Produktivität und Beschäftigung hinkten die EU-Länder noch immer weit hinter den USA hinterher. Zudem liefen in rund der Hälfte der Mitgliedsländer die Staatsfinanzen aus dem Ruder.

"Trotz wichtiger Bemühungen, strukturelle Reformen umzusetzen, muss die Lissabon-Strategie erst noch den Erfolg zeigen, den sich Europas Führer von ihr versprochen haben", schrieben die Beamten der Zeitung zufolge. Die Minister hätten sich mit dem Zwischenbericht bereits bei einem informellen Treffen Anfang September in Den Haag befasst.

In der portugiesischen Hauptstadt Lissabon hatten die Staats- und Regierungschefs der EU im Frühjahr 2000 ein Programm beschlossen, das drei Prozent jährliches Wirtschaftswachstum und eine Beschäftigungsquote von 70 Prozent bis 2010 vorsieht. Damit wollte Europa die dynamischen Wachstumsregionen USA und Asien überflügeln. Von diesen Vorgaben seien die Mitgliedstaaten noch weit entfernt. In den vergangenen Jahren sei die Wirtschaft in der EU nur um durchschnittlich 1,2 Prozent gewachsen. Die Beschäftigungsquote sei 2003 bei 64,3 Prozent verharrt, heiße es in dem EU-Papier.

Erlahmender Reformeifer

Als Ursache für das bisherige Scheitern der Lissabon-Strategie nennen die Experten der Zeitung zufolge demnach den erlahmenden Reformeifer in vielen Ländern Europas: "Das Ausmaß struktureller Reformen und das Tempo ihrer Umsetzung waren unzureichend." Um ihr Ziel zu erreichen, die Beschäftigungsquote bis 2010 auf 70 Prozent zu steigern, müssten die Staaten der EU weitere 21 Mill. Arbeitsplätze schaffen. Dazu sei es nötig, "die Flexibilität auf den Arbeitsmärkten zu erhöhen, um die Beschäftigungsdynamik zu entfesseln". Auch Steuern und Abgaben müssten sinken, um Anreize für bezahlbare Arbeit zu schaffen.

Volkswirte führender europäischer Banken zweifeln unterdessen immer mehr an den optimistischen Wachstumsprognosen der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Europa-Chefvolkswirte von Barclays Capital , Bbva, Deutscher Bank , Dresdner Bank , Goldman Sachs Group , Hypo-Vereinsbank , Lehman Brothers Holdings Inc. und Morgan Stanley Dean Witter & Co. erwarten im Durchschnitt nächstes Jahr für den Euroraum nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,9 Prozent, wie das "Handelsblatt" (Montag) berichtet. Vor einem Monat hatten sie 2,0 Prozent, vor drei Monaten 2,1 Prozent vorausgesagt. Die letzte EZB-Prognose von Anfang September ist mit 2,3 Prozent fast einen halben Prozentpunkt höher als die Durchschnittsprognose der Bankvolkswirte.

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