EU will den Einstieg von OEP nicht blockieren
Wyser-Pratte lässt HDW-Verkauf gerichtlich stoppen

Der Streit um den Verkauf der Kieler Marinewerft Howaldtswerke Werft-Deutsche AG ( HDW) an den US-Investor One Equity Partners (OEP) geht in die nächste Runde.

mjh/sce DÜSSELDORF/BRÜSSEL. Guy Wyser-Pratte, Großaktionär der HDW-Muttergesellschaft Babcock Borsig AG, Oberhausen, hat beim Landgericht Duisburg eine einstweilige Verfügung erwirkt, mit der die Übergabe der HDW-Anteile an OEP vorläufig gestoppt wird. Das Amtsgericht Oberhausen muss nun entscheiden, ob eine außerordentliche Babcock-Hauptversammlung den Verkauf der HDW-Anteile an OEP absegnen muss.

Zudem waren jüngst Befürchtungen aufgetaucht, bei dem Deal handele es sich um eine verdeckte Übernahme von HDW durch den US-amerikanischen Rüstungskonzern General Dynamics. Denn die Chicagoer Familie Crown ist sowohl an der OEP-Muttergesellschaft Bank One als auch an General Dynamics beteiligt. HDW zählt beim Bau konventioneller U-Boote zur Weltspitze. Wegen dieser personellen Verflechtung war ein Abfluss deutscher Rüstungstechnologie in die USA befürchtet worden.

Solche rüstungspolitischen Bedenken sind jedoch für die EU-Kommission kein Anlass, die umstrittene Übernahme von HDW durch OEP zu blockieren. Wie in Brüssel verlautete, soll der Fall heute nach dem vereinfachten Verfahren der EU-Fusionskontrolle abgeschlossen werden. Kommissionskreise, die sich für eine vertiefte viermonatige Prüfung ausgesprochen hatten, konnten sich nicht durchsetzen. "Der Einstieg von OEP wirft zwar rüstungspolitisch einige Fragen auf, ist aber wettbewerbsrechtlich nicht zu beanstanden", sagte ein EU-Beamter.

Babcock-Aktionär Wyser-Pratte, er hält 8 % der Anteile, sperrt sich gegen den Verkauf des HDW-Anteils von Babcock (25 %), weil dies den kriselnden Maschinen- und Anlagenbauer entscheidend schwächen und einen radikalen Strategiewechsel bedeuten würde.

In der Tat wird die geplante Konzentration auf die Energietechnik Babcock nach eigener Einschätzung im laufenden Geschäftsjahr in die roten Zahlen drücken. Der Konzernverlust werde mindestens 100 Mill. Euro betragen, da die Kosten des Umbaus auch durch Verkäufe nicht ausgeglichen würden, teilte Babcock im Zwischenbericht zum 1. Halbjahr 2001/02 (30. September) mit. So stieg der Fehlbetrag von 16 Mill. Euro im Vorjahr auf 107 Mill. Euro. Der Verkauf des HDW-Pakets wird Babcock eine Einnahme in dreistelliger Millionenhöhe bescheren.

Unter Federführung der Unternehmensberatung Roland Berger wird nun ein Konzept für die Zeit nach dem Schiffbau erarbeitet. Ziel sei ein ertragstabiler Konzern mit einem Umsatz von 2,5 Mrd. Euro. Damit würde sich der Konzernumsatz etwa halbieren.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%