EU-Zinsrichtlinie bindet Steueroasen mit ein
Luxemburg wird keine Steueroase mehr sein

Seit den 80er Jahren sind vor allem aus Steuergründen enorme Beträge deutscher Investoren ins Großherzogtum Luxemburg geflossen. Es lockten Quellensteuerfreiheit und ein strenges Bankgeheimnis. Wenn die am Montag von den EU-Finanzministern beschlossene Regelung zur Zinsbesteuerung wie geplant im Jahr 2003 in Kraft tritt, könnte Luxemburg schon bald seine Attraktivität für ausländische Anleger verlieren.

dpa BRÜSSEL. Von 2003 an müssten sie zuerst 15 % und von 2006 an 20 % Quellensteuer entrichten und dann ihre Zinseinkünfte noch einmal bei der heimischen Einkommensteuer erklären. In dieser insgesamt siebenjährigen Übergangsphase besteht noch ein gewisser Vorteil gegenüber Deutschland, wo 30 % Quellensteuer erhoben werden.

Aber ab 2010 müsste Luxemburg nach dem laufenden Fahrplan anstatt der Quellenbesteuerung die deutschen Finanzämter über die Zinseinkünfte deutscher Sparer informieren. Von diesem Zeitpunkt an dürften viele Deutsche dem Großherzogtum den Rücken kehren. Dann könnten sie gleich ihr Geld zu Hause anlegen, wo die heimischen Banken zumeist deutlich geringere Gebühren für ihre Dienstleistungen verlangen.



EU-Lösung jahrelang verzögert

Luxemburg wusste, was für seinen Finanzplatz auf dem Spiel steht, und hat deshalb eine EU-Lösung jahrelang verzögert. Unter dem ständig wachsenden Druck der übrigen 14 Mitgliedsländer hat Luxemburg aber in der Nacht zum Montag nach zähen Verhandlungen eingelenkt und große Zugeständnisse gemacht. Ursprünglich wollte Luxemburg nur eine Quellensteuer von 10 %. Außerdem wollte es alle Investmentfonds ausnehmen. Nun fallen alle Fonds unter die Regelung, die Zinsen ausschütten, das sind vor allem die Rentenfonds, aber auch gemischte Fonds aus Aktien und Renten. Die Banken werden sehr viel Fantasie aufbringen müssen, um neue Produkte zu entwickeln, mit denen die Anleger möglicherweise wenigstens einen Teil der neuen Steuern umgehen können. Auch dürfte es noch einen Kaufboom für Anleihen mit sehr langen Restlaufzeiten vor dem 31. März 2001 geben. Denn vor diesem Datum aufgelegte Obligationen sollen von der EU-Zinsbesteuerung befreit sein.

Am Ende zählt die Netto-Rendite

Der für Steuerfragen zuständige luxemburgische Minister Luc Frieden versuchte am Montag die negativen Auswirkungen für sein Land herunterzuspielen. "Dies bedeutet keine größeren Änderungen für unser Finanzzentrum", sagte er. Es sei falsch, dass die Deutschen mit ihren Geldern nur aus Steuergründen nach Luxemburg gekommen seien. Luxemburg biete eine besonders breite Produktpalette, Know How und gesetzlich gesicherte Stabilität. Es bleibt aber fraglich, ob diese Gründe ausreichen, auch in absehbarer Zukunft das Geld über die Grenze ins Großherzogtum zu locken. Für viele zählt nur, was am Ende nach Abzug der Steuern netto an Rendite bleibt.

Außereuropäische Steueroasen werden in EU-Zinsrichtlinie eingebunden

Die Voraussetzung für das in Kraft treten der EU-Zinsrichtlinie, nämlich der Einschluss von Steueroasen außerhalb der EU wie der Schweiz und den Kanalinseln, könnte möglicherweise schneller erreicht werden als erwartet. Nach den unerwartet raschen und weitgehenden Zugeständnissen der Luxemburger wird es schwer für diese Länder und von der EU abhängigen Territorien, ihre privilegierte Ausnahmepositionen noch lange zu verteidigen.

Siehe auch: >>Was sind Quellensteuern?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%