EU zwingt Fluggesellschaft zur Rückzahlung von Subventionen – Regierung erwägt Sanierung nach Schweizer Art
Olympic Airways geht die Luft aus

Das Mutterland Olympias könnte im Jahr der Spiele 2004 ohne nationale Fluggesellschaft dastehen. Die EU verlangt von der chronisch kranken Olympic Airways die Rückzahlung staatlicher Hilfen.

ghö/sce ATHEN/BRÜSSEL. Die staatliche griechische Fluggesellschaft Olympic Airways muss Subventionen in Höhe von 194 Mill. Euro zurückzahlen. Das gab die zuständige EU-Kommissarin Loyola de Palacio am Mittwoch in Brüssel bekannt. Die Kommission entschied, dass Olympic 1994 und 1998 staatliche Hilfen "missbraucht" und nicht genehmigte Finanzhilfen erhalten habe. Allerdings deutete de Palacio an, dass man die Rückzahlung flexibel gestalten wolle: Fristen seien noch nicht vereinbart.

Die Brüsseler Entscheidung könnte für Olympic dennoch existenzgefährdend werden. Denn die Fluggesellschaft ist schwer angeschlagen. Dass Olympic die geforderte Summe aus eigener Kraft aufbringen oder über Kredite beschaffen kann, gilt in Athener Finanzkreisen als ausgeschlossen. Zwar hat der griechische Verkehrsminister bereits angekündigt, den Kommissionsbeschluss vor dem Europäischen Gerichtshof in Luxemburg anfechten zu wollen. Aber unabhängig von der Millionenforderung aus Brüssel steckt die Gesellschaft in einer höchst prekären Lage.

Die in den 50er-Jahren vom "Tankerkönig" Aristoteles Onassis gegründete Olympic hat seit ihrer Verstaatlichung im Jahr 1975 im operativen Geschäft nur Verluste eingeflogen. In den zurückliegenden zehn Jahren verschlang die Gesellschaft Steuergelder in Höhe von rund 2,5 Mrd. Euro. 1994 schrieb Olympic im Rahmen eines Sanierungskonzeptes Altschulden von 1,3 Mrd. Euro ab und erhielt im Rahmen einer Kapitalerhöhung eine staatliche Finanzspritze von 60 Mill. Euro. Dennoch rutschte das Unternehmen schon bald wieder in die Verlustzone.

"Das Sanierungsprogramm hat keine Früchte getragen", räumte schon 1997 der damalige Wirtschaftsminister Jannos Papantoniou ein. Die EU untersagte weitere Subventionen. Durch die Hintertür gewährte der Staat aber dennoch Hilfe. So kassiert Olympic zwar von ihren Passagieren Flughafensteuern, führt die Gelder aber nicht in voller Höhe an den Fiskus ab. Auch mit den Sozialversicherungsbeiträgen ist die Gesellschaft weit im Rückstand.

Hier ist auch der Grund für die EU-Sanktion zu sehen. Obwohl Griechenland zwei Mal die Erlaubnis für staatliche Unterstützung der Fluggesellschaft erhalten habe, habe das Unternehmen die harten Sanierungsauflagen der EU nicht erfüllt.

Trotz aller Tricks wies die Bilanz des Jahres 2000 bei einem Umsatz von 336 Mill. Euro einen Verlust von 93 Mill. Euro aus. Damit erreichte der Schuldenstand 257 Mill. Euro. Für 2001 hat das Unternehmen noch keinen Abschluss vorgelegt, de Palacio kritisierte in diesem Zusammenhang, Olympic habe noch nicht einmal eine ordentliche Buchführung. Die roten Zahlen sind vor allem Resultat der hohen Personalausgaben. Sie machen bei Olympic rund die Hälfte der Gesamtaufwendungen aus. Andere europäische Fluggesellschaften geben weniger als 30 % für Löhne und Gehälter aus.

Nach zwei gescheiterten Versuchen, Käufer für die Airline zu finden, nimmt die griechische Regierung derzeit einen neuen Anlauf zur Privatisierung des Unternehmens. Das Konzept erinnert an die Methode Swissair: Olympic Airways soll wie die insolvente Schweizer Airline dicht gemacht werden, einige ihrer Aktiva sollen dann auf eine neue, schuldenfreie Gesellschaft übergehen. Seit Anfang dieser Woche verhandelt die Regierung mit einer Investorengruppe unter Führung des griechischen Reeders Stamatis Restis. Die Gruppe will nach Informationen aus Regierungskreisen für 150 Mill. Euro 70 % der Anteile der neuen Olympic übernehmen. Ihr Geschäftsplan sieht erhebliche Einschnitte bei Flotte und Personal vor. So soll sich die Gesellschaft auf Inlands- und Europaverbindungen konzentrieren.

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