EuGH: Einsatzbeschränkungen bestimmter Sportverbände verletzen Assoziierungsabkommen
Gleiche Rechte für Profisportler aus EU-Beitrittsländern

Berufssportler aus EU-Beitrittsländern müssen schon vor der Osterweiterung 2004 genauso wie ihre Berufskollegen aus den Mitgliedstaaten der EU behandelt werden. Die von einigen Berufssportverbänden noch verwendeten Ausländerklauseln verstoßen deshalb gegen das Gemeinschaftsrecht. Dies hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschieden.

alb BERLIN. Bereits 1995 hatte der EuGH im aufsehenerregenden Bosman-Urteil die Praxis der Sportverbände gekippt, den Einsatz ausländischer Sportler zu begrenzen. Auch danach haben einige Profisportverbände leicht angepasste Ausländerklauseln in ihren Spielordnungen beibehalten, um die Zahl nichteuropäischer Spieler weiterhin gering zu halten. Nach der Spielordnung des Deutschen Handballbundes (DHB) durften beispielsweise für Spiele der Handballbundesliga und für Pokalspiel pro Mannschaft nur jeweils zwei Spieler aus Nicht-EU Staaten aufgestellt werden. Zur besseren Erkennung ist ihr Spielerpass mit einem gut sichtbaren "A" zu versehen. Gegen die Regel hatte Maros Kolpak, slowakischer Torwart des Zweitligisten TSV Östringen, geklagt. Weil die Slowakei noch kein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft ist, berief er ich auf ein zwischen der EG und der Slowakischen Republik abgeschlossenen Assoziierungsabkommen. Die Juristen des DHB beharrten dagegen auf ihrer Ansicht, dass Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten zumindest noch nicht vollständig gleiche Rechte besäßen.

Nach dem Verständnis des EuGH ist ein slowakischer Berufssportler schon jetzt wie ein vollwertiger EU-Bürger zu behandeln. Das mit der Slowakischen Republik bestehende Beitrittsabkommen verleihe im ohne weitere Einschränkungen und ohne Umsetzungsfristen als Arbeitnehmer gleiche Rechte hinsichtlich der Bezahlung, Entlassung und den hier betroffenen Arbeitsbedingungen. Das Gericht beschied, die Abschirmung des deutschen Nachwuchssports vor ausländischer Konkurrenz könne diese Beschränkung nicht rechtfertigen. Die Rechtsprechung ist über das Abkommen EG-Slowakei hinaus auf alle weiteren Beitrittskandidatenländer übertragbar, weil die Verträge sämtlich inhaltlich ähnlich gefasst sind. Sie ist über den Profisport hinaus bei jeder Form beschränkter Arbeitnehmerrechte von Beschäftigten aus Beitrittskandidatenländern zu beachten.

Aktenzeichen EuGH: C-438/00

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