Euphorie bei den Japanern
Dicke Luft bei den Belgiern

Die einen stecken im Stimmungstief, bei den anderen herrscht nie da gewesene Euphorie. Unterschiedlicher könnte die Ausgangslage im belgischen und japanischen Lager vor dem Showdown in der Gruppe H am Freitag (08.30 Uhr MESZ) nicht sein.

dpa YOKOHAMA. Während die Europäer derzeit mehr über den angeblichen Spieleraufstand gegen Trainer Robert Waseige als über das Duell mit Russland diskutieren, kennt die neu erwachte Fußball-Liebe bei den Asiaten vor der zeitgleichen Partie gegen Tunesien in Osaka keine Grenzen. Selbst Franz Beckenbauer ließ sich von der Welle der Begeisterung mitreißen: "Ich hoffe, dass Japan weiterkommt. Solange der Gastgeber im Wettbewerb bleibt, sind auch die Emotionen da."

Ausgerechnet vor dem Spiel des Jahres sorgt das belgische Team für unliebsame Schlagzeilen. Verärgert über Medienberichte in der Heimat von einem angeblichen Aufstand diverser Spieler gegen Trainer Robert Waseige rief Verbandspräsident Jan Peeters eine Krisensitzung ein. Am Ende der Aussprache stellten sich die Profis hinter den Präsidenten, beschlossen einen Boykott der Medien und gelobten für das Duell mit Russland am Freitag in Shizuoka (8.30 Uhr MESZ/Premiere) Besserung. "Mit drei Unentschieden wie vor vier Jahren in Frankreich werden wir diesmal nicht ausscheiden", versprach Mittelfeldspieler Bart Goor vom Bundesligisten Hertha BSC.

Die ohnehin angespannte Situation drohte bereits am Dienstag zu eskalieren. Weil Waseige seine Spieler einen Tag nach dem enttäuschenden 1:1 gegen Tunesien übel kritisiert haben soll, kündigten vier namentlich nicht genannte Profis in einer flämischen Zeitung massiven Widerstand gegen den ihres Erachtens "diktatorischen Führungsstil" des Trainers an.

Der Verbandschef versuchte, die Wogen zu glätten. "Zu mir ist kein Spieler gekommen, um die sofortige Trennung von Waseige zu fordern, beschwichtigte Peeters, wollte die Meldungen von einer größer werdenden Schar unzufriedener Spieler allerdings nicht völlig dementieren: "An jeder Geschichte, ist auch ein Fünkchen Wahrheit." Schon vor dem Start ins WM-Abenteuer hatte der Wallone Waseige völlig überraschend seinen Wechsel zu Standard Lüttich mit Beginn der kommenden Saison bekannt gegeben und damit vor allem in den flämischen Medien für einen Sturm der Entrüstung gesorgt.

Von solch atmosphärischen Störungen sind die Japaner derzeit weit entfernt. Mit ihrem historischen Erfolg gegen Russland haben Inamoto, Nakata & Co das ganze Land in Begeisterung versetzt. "Toi, Toi, Toi", titelte die Zeitung "Sport Hochi" schon einen Tag vor der Partie und präsentierte auf der ersten Seite das Flugzeug, mit dem die Mannschaft in Richtung zweite Runde abheben soll. "Wir sind zu 80 % weiter, aber Fußball ist nicht logisch", warnte Trainer Philippe Troussier am Donnerstag vor Überheblichkeit. Die Asiaten würden selbst bei einer Niederlage mit einem Tor Differenz die nächste Runde erreichen. "Morgen ist ein großer Tag für Japans Fußball. Wir können ein neues Kapitel aufschlagen", beschrieb Troussier die Bedeutung der Partie. Die mittlerweile immense Erwartungshaltung der Bevölkerung sieht Troussier aber gelassen. "Wir müssen unter Druck stehen, um unser Spiel zu spielen."

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