Euphorie führt bei Analysten zu wachsender Skepsis
Hedge-Funds sind der Renner der Wall Street

Hedge-Funds sind an der Wall Street derzeit sehr beliebt. Trotz wachsender Skepsis in Analystenkreisen fließen derzeit reichlich Gelder in die Kassen der so genannten alternativen Anlagevehikel.

dek CHICAGO. Gemäß einer kürzlich durchgeführten Umfrage der Investmentbank Goldman Sachs dürften Investoren dieses Jahr rund 26 % mehr Geld in Hedge-Funds fließen lassen. Das würde die Gesamtanlagesumme weltweit auf gut 760 Mrd. $ bringen.

Traditioneller Weise waren es bislang vor allem Privatanleger, die sich in Hedge-Funds engagierten. Inzwischen wollen aber auch die großen Investoren in diese Anlageklasse investieren. So will beispielsweise Calpers, der Pensionsfonds der Angestellten des US-Staates Kalifornien, bis zu 5 Mrd. $ in verschiedenen Hedge-Funds unterbringen.

Um eine ausgewogene Streuung zu erzielen, will Calpers in Funds mit unterschiedlichen Strategien einsteigen. In Branchenkreisen wird derzeit vor allem auf die Distressed Debt Arbitrage Funds gezielt, die offenbar die besten Renditen versprechen. Distressed Debt Funds investieren in Kredite oder Bonds von Unternehmen, deren Kreditwürdigkeit auf Grund von finanziellen Problemen stark leidet. Das Ziel der Strategie ist, diejenigen Gesellschaften herauszupicken, denen man zutraut, sich aus dem finanziellen Sumpf zu ziehen.

Skepsis gegen Fonds-Menge

Neben dem Distressed Bereich ist auch der Long/Short Sektor weiterhin beliebt. Dabei handelt es sich um den Einsatz von Termin- und Optionskontrakten beim Wetten auf Zins-, Wechselkurs- oder Aktienkursentwicklungen. "Ich erwarte in naher Zukunft eine Zunahme der reinen Long-Strategie Funds auf Kosten der bisher sehr beliebten Short-Taktik", meint Ed Boyer, ein Berater bei Asset Strategy Consultants in Baltimore. Weitere Gebiete im Hedge-Fund-Sektor sind die statistische Arbitrage und die so genannte Risk Arbitrage, die sich hauptsächlich mit Unternehmensfusionen beschäftigt. Auch der Handel mit Wandelanleihen ist trotz möglicher Übersättigung weiterhin gefragt.

An Anlagemöglichkeiten fehlt es nicht. Seit der Konsolidierungswelle an der Wall Street hat sich eine große Anzahl von Händlern selbständig gemacht, um mit Hilfe von Hedge Funds den großen Coup zu landen. Auch die wachsende Risikoaversion börsennotierter Investmentbanken führte zu einer Abwanderung von Händlern in die Hedge Fund Industrie.

Mit der stark gestiegenen Anzahl von Hedge-Funds ist aber auch Skepsis aufgekommen. "Hedge-Funds sind üblicherweise kein Vertrau-mir-Instrument", meint B. Scott Reid, Managing Director bei Auda Advisor Associates.

Wegen der stark gestiegenen Anlagevolumen haben Analysten auch schon die eine oder andere Entwicklung einer Blase geortet. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie platzten. "Das Geld fließt in die Hände von Fund-Managern, die womöglich nicht in der Lage sind, sich den verschärften Marktbedingungen anzupassen", sagt David R. Webb von Shaker Investments in Cleveland. Der Grund: Mit herkömmlichen Barton Biggs von Morgan Stanley warnte schon im Juli vergangenen Jahres: "Die Hedge-Fund Industrie zeigt vermehrt Charakteristiken einer Börsenblase, wo neues Geld in die Hände eher unerfahrener Fondsmanager fließt". Erstaunlich ist dies nicht, denn mit herkömmlichen Anlagen können die Investoren derzeit kaum nennenswerte Renditen erzielen.

Aber: So glänzend die Renditeaussichten der Hedge-Funds auch aussehen mögen - Anleger sollten sich unbedingt vor Augen halten, dass Engagements in dieser Anlagekategorie mit vergleichsweise hohen Risiken verbunden sind.

Quelle: Handelsblatt

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