Euphorie ist verflogen
CeBIT auf dem Boden der Realität

Auf den ersten Blick fällt die Bilanz der weltgrößten Computer- und Technologiemesse CeBIT bereits nach zwei Tagen negativ aus: Deutlich weniger Aussteller, voraussichtlich auch wesentlich weniger Besucher.

Reuters HANNOVER. Dennoch macht sich nach zwei Tagen weder bei Ausstellern noch beim Veranstalter Krisenstimmung breit. Denn die Messe der lange Zeit von zweistelligen Wachstumsraten verwöhnten Informationstechnik und Telekommunikation präsentiert sich näher an den Realitäten als jemals zuvor.

"Die Branche ist auf dem Boden der Tatsachen angekommen", sagt Jürgen Kuri, Branchenexperte und Vize-Chefredakteur des Fachmagazins "c't". "Wenn die Unternehmen hier etwas zeigen, dann gibt es das auch nach der CeBIT tatsächlich", sagt Kuri und spricht von "neuer Sachlichkeit", die den verhaltenen Wachstumsprognosen entspreche. "Die Industrie ist notgedrungen und aus wirtschaftlichen Zwängen erwachsen geworden. Die Leute geben bei schmalerem Geldbeutel nur für Dinge etwas aus, von denen sie etwas haben", sagt Kuri.

Starker Besucherrückgang wurde bereits erwartet

Die Deutsche Messe AG als Veranstalter der CeBIT ist auf einen spürbaren Besucherrückgang eingestellt. "Dies ist die Messe der Realität", sagt Messe-Sprecher Ulrich Koch. "Warum soll die allgemeine Wirtschaftsflaute ausgerechnet an der CeBIT vorbeigehen?" Mit 6500 Ausstellern kamen gut 1000 weniger als im vorigen Jahr, wo sogar 7900 gemeldet waren, einige hundert aber gar nicht mehr erschienen. Die Besucherzahl sank trotz der Verlängerung der Messe um einen Tag unter die Marke von 700 000. Diesmal wären die CeBIT-Macher mit 600 000 zufrieden.

Der Auftakt am Mittwoch wurde von vielen Ausstellern als sehr schwach beschrieben. Am Donnerstag füllten sich die Hallen stärker. Am wenigsten können große Anbieter wie Deutsche Telekom, IBM, Nokia, Microsoft oder SAP über mangelnden Zulauf klagen. Doch viele Firmen schicken aus Kostengründen schlicht weniger Mitarbeiter nach Hannover als früher. "Von den Unternehmen kommen nicht mehr ganze Abteilungen zum Betriebsausflug auf die CeBIT, sondern ein oder allenfalls zwei Mitarbeiter, die genau wissen, was sie wollen", sagt Nicole Dressler, Verantwortliche des IBM-Standes für Business Partner.

Mehr Realität gefragt

Die über Jahre CeBIT-typische Euphorie ist verflogen. Der so genannte "Hype" auf alles Neue und Visionäre, oft ohne Blick für die Realisierungschancen, ist "out". "In" ist was machbar ist. "Früher gab es hier auf der CeBIT einen Riesenwirbel, aber wirklich konkret zu sehen war dann oft nichts", sagt c't-Experte Kuri. "Heute traut sich niemand mehr, etwas anzukündigen, das nicht funktioniert."

Zum Beispiel "Wireless-LAN": Der drahtlose und zudem schnelle Zugang zum Beispiel eines Laptops zum weltweiten Datennetz an zentralen Punkten wie Hotels, Cafes oder der Wartehalle eines Flughafens ist ein zentrales Thema der CeBIT. "Doch das wird auch kommen, noch in diesem Jahr", sagt Kuri.

Realitätsnäher kommt in diesem Jahr auch das zweite Top-Thema der CeBIT, "UMTS", daher. Mit großem Aufwand wurden voriges Jahr die ersten UMTS-Handys vorgestellt. Die kommerzielle Einführung der Netze wird nun bis Ende 2003 erwartet. Und die in Hannover vorgestellten UMTS-Handys werde man auch kaufen können, sagt Kuri.

Mitunter findet der CeBIT-Besucher auch noch Dinge, deren Anwendung in weiter Ferne liegt. Dazu zählt Kuri die sprechende Waschmaschine oder auch den intelligenten Kühlschrank, der von selbst die zur Neige gehenden Lebensmittel elektronisch nachbestellt. Schon vor Jahren sorgte das vollkommen elektronisch vernetzte Haus auf der CeBIT für Schlagzeilen. Kuri: "Das bleibt sicher noch eine Weile Zukunftsmusik."

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