Euphorie und Katzenjammer
Die größten Börsengänge des Jahres

ddp BERLIN. Rasanter Kursanstieg, rapider Verfall und solider Einstieg - wer die Börse in ihrer Bandbreite erleben wollte, für den reichte in diesem Jahr ein Blick auf die größten Neuemissionen. Die Siemens-Tochter Infineon, die Telekom mit ihrer dritten Tranche und der Platzierung ihrer Internet-Tochter T-Online sowie die Deutsche Post zeigten die Chancen und Risiken beim Kauf der Anteilsscheine auf.

Der Halbleiterhersteller Infineon Technologies hatte im Frühjahr leichtes Spiel. Deutscher Aktien-Index (Dax) und Neuer Markt marschierten auf ihre Allzeithochs zu, die 173 Mill. Aktien der Siemens-Tochter sah jeder als Los mit Garantiegewinn. Die Deutschen stürmten die Banken, allein von den Privatanlegern wurde die Emission achtfach überzeichnet. Mitsamt der institutionellen Zeichner wurden letztendlich 33 Mal soviel Aktien bestellt wie vorhanden waren. Infineon teilte die Kunden je nach Bestellmenge ein und verloste die je 35 Euro teuren Papiere innerhalb dieser Segmente. Nur jeder sechste Privatanleger wurde bedient.

T-Online verliert an Wert

Prompt schoss der Aktienkurs am 13. März bei der Handelsaufnahme nach oben und schloss bei 70,26 Euro. Während die Losgewinner über eine Verdoppelung des Kurses jubelten, wetterten die Enttäuschten gegen das Zuteilungsverfahren. Mit dem vorhandenen Volumen hätte man "jeden zweiten privaten Interessenten mit 20 Aktien bedienen können", betonte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Die Infineon-Aktie kletterte indes weiter nach oben, notierte ab 16. Juni im Dax und schloss am 27. Juni bei 92,75 Euro. Ab da ging es abwärts. Doch auch wenn man den Tiefstand vom 21. Dezember mit 40 Euro zu Grunde legt, können sich die Erstzeichner noch über einen Wertzuwachs von gut 14 % freuen.

Von solchen Werten träumen T-Online-Zeichner. Für 27 Euro erhielten sie im April einen der 100 Mill. zugeteilten Anteilsscheine des Internet-Providers. Die Telekom nutzte trotz 20-facher Überzeichnung die Bookbuilding-Spanne von 26 bis 32 Euro nicht voll aus, nachdem der Neue Markt innerhalb eines Monats rund ein Drittel an Wert verloren hatte. Doch damit war das Ende nicht erreicht. Notierte der Nemax-50 im April noch über 6.000 Punkten, so hat er auf seinem Weg nach unten bereits die 3.000-Punkte-Marke durchbrochen. T-Online konnte sich diesem Sog nicht entziehen. Dazu kamen hausgemachte Querelen und der Austausch des kompletten Vorstands. Von seinem Hoch bei 46,80 Euro am 2. Mai sank der Aktienkurs gleichmäßig bis auf unter 14,00 Euro herab. Wer für 1000 Mark bei der Erstzeichnung dabei war, hätte bei einem Verkauf der Papiere derzeit die Hälfte verloren.

Post-Aktie erfolgreich

Nur wenig besser ging es den Zeichnern der dritten Telekom-Tranche. Mit Blick auf den Börsenkurs während der Bookbuildingfrist Mitte Juni wurden die 200 Mill. neuen Aktien für 66,50 Euro abgegeben. Die Anleger wurden vorsichtiger: Die Nachfrage überstieg das Angebot "nur noch" um das Dreieinhalbfache. Seit Mitte November pendelt die Aktie der Deutschen Telekom zwischen 30 und 40 Euro. Enttäuschten Anlegern bleibt da nur, den Worten des Konzernchefs Ron Sommer zu glauben. Der Telekom gehe es nicht um kurzfristige Kurssteigerungen, sondern um eine kontinuierliche Wertsteigerung, betont er beharrlich.

Da wären die Anleger in den vergangenen vier Wochen bei der Deutschen Post zufrieden gewesen. "Solide und ein bisschen langweilig", lautete das Credo der Analysten vor dem Börsengang der "Aktie Gelb". Knapp unter 23 Euro rangieren die 278,2 Mill. Papiere, die trotz achtmaliger Überzeichnung für 21 Euro an den Start gingen. 23 Euro wären zwar möglich gewesen, doch die Post wollte sicherstellen, dass die Aktie bei der Erstnotiz nicht unter ihren Zuteilungspreis rutscht. Das ist gelungen, doch die wahren Klippen für die Post lauern noch. Bisher hat das Unternehmen noch eine Schonfrist im freien Wettbewerb. Damit soll es 2002 vorbei sein, wenn das Briefmonopol fällt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%