Euro 2008
Eine schöne Laune der Götter

Vieles wird bleiben von dieser Europameisterschaft, mehr als von anderen Turnieren. Entgegen vieler Prognosen hat die Euro 2008 mutigen, unberechenbaren und spektakulären Fußball geboten.

BERLIN. Bleiben wird zum Beispiel die kühne Maßnahme von Hollands Trainer Marco van Basten in der Halbzeitpause des zweiten Gruppenspiels gegen Frankreich. Seine Mannschaft war früh 1:0 in Führung gegangen und danach zunehmend unter Druck geraten. Ihre Verteidigung wirkte schwach und anfällig. Sie musste personell verstärkt werden - dachte man. Van Basten dachte anders. Er nahm den Defensivspieler Engelaar heraus und brachte den Halbstürmer Robben.

Am Ende siegte van Basten mit 4:1, weshalb seine Maßnahme in doppelter Hinsicht als symbolisch gelten darf. Diese EM belohnte die Offensive, und sie honorierte den Mut. Sie steigerte sich von Minute zu Minute und sie hielt unglaubliche Volten parat. "Nach jedem Spiel denkt man, man hat das Schönste schon gesehen", sagte Zinédine Zidane, und doch wurde es immer noch besser.

Zidane gehörte zwei Jahre nach seinem Karriereende zum Wenigen, das dieser EM gefehlt haben mag - das erste Frankreich "post-Zizou" war die größte Enttäuschung des Turniers. Die Positionsfußballer von Trainer Raymond Domenech hatten nichts zu bieten bei einer Europameisterschaft, die von entfesselter Spielfreude bestimmt wurde und in ihren schönsten Facetten - Holland, Russland, Spanien - an den "Totaal Voetball" der wilden siebziger Jahre erinnerte.

Wie gesagt, es wurde immer besser, man sah das auch an der Abfolge der Favoriten, die so häufig gewechselt hat wie selten zuvor während eines Turniers. Am Anfang galten Frankreich und Italien als Maß aller Dinge, erbrechtlich gewissermaßen, die Finalisten der WM 2006. Ihr Fußball: kühl, berechnend. Holland erledigte das Thema mit zwei fulminanten Siegen im direkten Vergleich und übernahm den Thron - bis sich im Viertelfinale mit den Russen eine noch aufregendere Mannschaft fand. Zurecht lobte alle Welt nun das Team von Guus Hiddink, und die Buchmacher reduzierten ihre Quoten. Doch dann kam im Halbfinale Spanien und führte noch perfekteren Fußball auf. Nach jedem Tor ihres 3:0-Siegs spielten die Iberer nur um so energischer nach vorn. Verteidigung durch Angriff.

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