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Euro baut Kursgewinne auf über 0,91 Dollar aus

Nach der deutlichen Warnung der US-Notenbank vor einem schwächeren Wirtschaftswachstum haben drastische Kursverluste an den US-Aktienbörsen am Vortag den Euro Händlern zufolge weiter gestützt.

Frankfurt, 21. Dez (Reuters) - Die anhaltende Sorge über eine starke Konjunkturabschwächung in den USA hat den Euro am Donnerstag zum ersten Mal seit vier Monaten deutlich über 0,91 Dollar steigen lassen. Zu Yen und britischem Pfund erreichte die Gemeinschaftswährung den höchsten Stand seit fünf Monaten. Nach der deutlichen Warnung der US-Notenbank vor einem schwächeren Wirtschaftswachstum haben drastische Kursverluste an den US-Aktienbörsen am Vortag den Euro Händlern zufolge weiter gestützt und Investoren veranlasst, sich nun wieder stärker auf Europa zu konzentrieren. "Der Markt wird sehr pessimistisch über die US-Konjunktur und preist eine harte Landung ein", sagte Sonia Hellemann von Dresdner Kleinwort Benson in London. Mit der Erholung der US-Aktienmärkte am Donnerstag gab der Euro zuletzt jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab.

Bei Handelsschluss notierte die Gemeinschaftswährung mit 0,9159/63 $, nachdem sie am Nachmittag ein Vier-Monats-Hoch über 0,9170 Dollar markiert hatte. Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro mit 0,9142 $ nach 0,9032 $ am Mittwoch festgestellt. Damit kostete der $ umgerechnet 2,1394 (2,1654) DM.

Die US-Notenbank hatte am Dienstag die Leitzinsen unverändert gelassen und zugleich vor einer deutlichen Konjunkturabkühlung in den USA gewarnt. Nach mehreren Gewinnwarnungen amerikanischer Unternehmen und wachsender Sorge über eine abrupte Abkühlung der US-Wirtschaft sowie Zweifeln an der Konjunkturerholung Japans konzentrierten sich die Investoren jetzt notgedrungen auf Europa, sagten Händler in Tokio.

"Der Markt nimmt zur Kenntnis, dass die Lokomotive USA an Dampf verliert", sagte ein Händler in Frankfurt. Vor allem an den US-Aktienmärkten herrschte nach dem Fed-Entscheid Enttäuschung, dass die Notenbank die Zinsen nicht schon jetzt gesenkt habe. Der Dow-Jones-Index war deshalb am Mittwoch um 2,5 Prozent, der Nasdaq-Index der US-Technologiebörse sogar um 7,1 Prozent gefallen. Am Donnerstag erholten sich die Börsen jedoch wieder etwas. Der Nasdaq ging mit einem Plus von 0,32 Prozent, der Dow-Jones-Index mit einem Plus von 1,63 Prozent aus der Sitzung.

Auf eine deutliche Konjunkturabschwächung in den USA deuteten unterdessen neue am Nachmittag veröffentlichte Konjunkturdaten hin. Die Wirtschaft in den USA wuchs im 3. Quartal wegen schwächerer Exporte noch langsamer als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei nach den endgültigen Daten im dritten Quartal nurmehr um 2,2 $ gewachsen, teilte das US-Handelsministerium mit. Damit revidierte das Ministerium seine Schätzung zum zweiten Mal von anfänglich 2,7 Prozent nach unten. Im 2. Quartal war das Wachstum mit 5,6 Prozent noch mehr als doppelt so hoch ausgefallen. Der Konjunkturindex der Notenbank von Philadelphia rutschte im Dezember 6,1 Punkte ins Minus nach plus 5,2 Indexpunkten im November. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen nach Angaben des US-Arbeitsministeriums in der Woche zum 16. Dezember überraschend stark auf 354.000 nach 320.000 in der Vorwoche. Volkswirte hatten nur mit 336.000 gerechnet.

Zur allgemeinen Unsicherheit der Märkte über die künftige Entwicklung der US-Konjunktur beigetragen hat Händlern zufolge auch die Entscheidung des designierten US-Präsidenten George W. Bush, Paul O'Neill zum neuen US-Finanzminister zu ernennen. O'Neill wird an den Finanzmärkten ein moderater Standpunkt mit Blick auf die Steuerkürzungspläne Bushs nachgesagt. Die deutschen Verbraucherpreisdaten beeinflussten den Euro dagegen kaum. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, verlangsamte sich die Jahresteuerung in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen im Dezember auf 2,2 Prozent von 2,4 Prozent im Vormonat.

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