Euro behauptet
Yen notiert auf neuem 20-Monatstief

Trotz eines überraschend starken Wachstums der japanischen Wirtschaft im vierten Quartal 2000 ist der Yen am Montag auf ein neues 20-Monatstief zum Dollar bei Kursen um 120,62 Yen abgerutscht. Auch zum Euro fiel die Währung auf ein Zweimonatstief um 112,50 Yen. Die Regierung in Tokio hatte zuvor berichtet, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei im vierten Quartal um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal gewachsen.

rtr FRANKFURT. Analysten hatten ein Plus von 0,6 Prozent erwartet. Für die Schwäche der Währung machten Händler die anhaltende politische Unsicherheit und den Verlust des Tokioter Börsenbarometers Nikkei verantwortlich, das am Montag um 3,6 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gefallen war. Den Euro/Dollar-Handel beschrieben sie bei fehlenden neuen Impulsen als ruhig.

Gegen 09.40 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,9314/21 nach einer letzten Notiz am Freitag in New York von 0,9327/31 Dollar. Zum Yen wurde die Währung mit 112,39/44 Yen gehandelt. Die US-Währung kostete 120,38/46 (119,50/58) Yen gehandelt.

Händlern zufolge sehen viele Marktteilnehmer die Schwäche des Yen als Ausdruck einer Vertrauenskrise in die politische Führung in Tokio. Daran habe weder das am Freitag vorgestellte Notprogramm für die Wirtschaft etwas ändern können, noch die am Montag veröffentlichten Wachstumszahlen. Die Regierung hatte am Morgen mitgeteilt, im Jahresvergleich habe das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 3,2 Prozent betragen. Nominal habe das Wachstum von Oktober bis Ende Dezember 0,2 Prozent, und im Jahresvergleich von 0,8 Prozent ausgemacht.

Auch Äußerungen von Finanzminister Kiichi Miyazawa, der damit rechnet, das Japan das Wachstumsziel in dem am 31. März 2001 endenden Fiskaljahr von 1,2 Prozent vermutlich leicht übertreffen wird, konnte dem Yen nach Darstellung von Händlern nicht helfen. "Das Wirtschaftspaket hat die Marktteilnehmer nicht überzeugt, teilweise auf Grund von Zweifeln darüber, wie die Regierung angesichts der politischen Situation die Maßnahmen umsetzen will," sagte Takashi Toyahara von der Nomura Trust and Banking in Tokio. Er fuhr fort: "In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, die eigentlich rasches, aggressives Handeln erfordert, versucht die Regierungskoalition noch immer, Maßnahmen geheim zu beschließen. Das ist alles schwer zu verstehen und schädlich für den Yen". "Bei zunehmenden Chancen für eine weitere Verlangsamung des japanischen Wachstums könnte der Dollar sich am Devisenmarkt in Richtung 125 oder sogar 130 Yen bewegen," sagte Koichiro Teramoto, von Tokyo-Mitsubishi Securities.

Druck auf die japanische Währung sei auch von einem Bericht der Zeitung "Nihon Keizai Shimbun" ausgegangen, sagten Händler. Das Blatt hatte am Montag berichtet, die Bank von Japan werde beim Treffen ihres geldpolitischen Entscheidungsgremiums am 19. März zur Null-Zinspolitik zurückkehren. Die Notenbank äußerte sich dazu zunächst nicht. Analysten verwiesen jedoch auf jüngste Äußerungen von BoJ-Chef Masaru Hayami, der statt einer Rückkehr zur Null-Zinspolitik von der Regierung zunächst reale Erfolge beim Abschreiben fauler Kredite von Banken fordert.

Der Euro-Handel verläuft Händlern zufolge bislang angesichts fehlender Impulse recht ruhig. Im weiteren Verlauf könnten wiederum die Aktienbörsen Anregungen liefern. Erst im weiteren Verlauf der Woche dürften vor allem neue Konjunkturdaten aus den USA Hinweise auf die konjunkturelle Entwicklung und damit auch auf den künftigen geldpolitische Kurs der US-Notenbank (Fed) liefern. Vor allem die am Dienstag anstehenden Einzelhandelsumsätze seien für eine Einschätzung der Wirtschaftslage von Bedeutung. Verschiedene Mitglieder des für die Geldpolitik verantwortlichen Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) hatten in der vergangenen Woche betont, dass die Verbraucherausgaben entscheidend für den weiteren Konjunkturverlauf seien. Überwiegend erwarten Analysten nach wie vor eine Zinssenkung um 50 Basispunkte beim nächsten FOMC-Treffen am 20. März.

Vom Treffen des Rates der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag dieser Woche erwarten die meisten Volkswirte keine Zinsänderung. Zuletzt hatte Bundesbankchef Ernst Welteke in einem Zeitungsinterview am Samstag gesagt, eine Zinssenkung in der Euro-Zone wäre angesichts der Preisentwicklung verfrüht.

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