Euro-Betrüger nutzten die Angst und Unkenntnis vieler Bürger aus
Die Euro-Trickser kommen

Der Euro soll besonders sicher gegen Fälschungen sein. Also versuchen manche Betrüger, vorher noch mit der D-Mark ihr Geschäft zu machen. Andere Kriminelle nutzen die Umstellungsphase zu Geschäften besonderer Art. Dabei haben sie vor allem ältere Mitbürger im Visier.

DÜSSELDORF. Ganz Europa bereitet sich auf den Euro vor. Für Kriminelle bietet das Gelegenheit, alte Tricks im neuen Gewand anzuwenden und letztmalig DM-Fälschungen auf den Markt zu werfen. Im Gegenzug bemüht sich die Polizei, solche Betätigungsfelder vorherzusehen und die Bürger zu warnen.

Bereits zur Jahresmitte hatte die Bundesbank 15 000 DM-Blüten aus dem Verkehr gezogen. Bis Ende September sind weitere 6000 dazu gekommen. "Renner sind nach wie vor der Zwanzigmarkschein (41 % der Fälschungen), gefolgt vom Hundertmarkschein mit 26 %", sagt Dietmar Thiele von der Bundesbank. Reaktion der Landeszentralbanken: Sie haben in ihre Schulungen über die Sicherheitsmerkmale der Euro-Banknoten für Bankmitarbeiter und Einzelhändler die alten D-Markscheine einbezogen. Etwas genauer sollte auch die übrige Bevölkerung hingucken, warnt Norbert Bielert vom Dezernat "Falschgeld" des Landeskriminalamtes (LKA) Hamburg: Wenn die Leute nicht wüssten, wie ihr Geld aussehe, gingen selbst die schlechtesten Tintenstrahl-Fälschungen durch.

Sie sind kein Falschgeld, aber der Polizei bereiten sie trotzdem Ärger: vorzeitig in den Verkehr gebrachte Euro-Scheine. Von einer Hand voll derartiger Fälle berichtet Eduard Liedgens vom bayrischen Landeskriminalamt (LKA). Unter anderem wurden Tankstellenbesitzern aus dem Raum München solche Scheine vorgelegt. Sie verständigten die Polizei, die die Scheine einzog. An jedermann ausgegeben wird das neue Geld erst ab 17. Dezember - in Starterkits zu 20 Euros. Doch an die Geschäftsbanken werden die Euros bereits seit Anfang September ausgeliefert, die ihrerseits Unternehmen beliefern dürfen. Beide sind in ihren Verwahrverträgen verpflichtet, die Euros bis Januar unter Verschluss zu halten und höchstens für Schulungen herauszuholen. Verstoßen Kreditinstitute schuldhaft dagegen, führt dies zu einer Vertragsstrafe in Höhe von 8 % des in Verkehr gelangten Bargelds, so steht es in den Besonderen Bedingungen für die vorzeitige Abgabe von Euro-Bargeld der Bundesbank. In schweren Fällen könne ein Verstoß sogar zum Ausschluss von der vorzeitigen Belieferung mit Euro führen, heißt es aus der Bundesbank. Einzelne Mitarbeiter, die solches Geld benutzt haben, sind außerdem möglicherweise wegen Unterschlagung oder Diebstahls der Banknoten strafbar. Bei den Fällen in Bayern könnte das Geld aber auch aus dem Überfall auf einen Transporter stammen, schränkt Liedgens ein. Christian König vom Bayrischen Sparkassenverband sieht die Gefahr des vorzeitigen Inverkehrbringens von Euronoten eher bei Geschäftskunden, den Unternehmen: "Dass von Sparkassen Geld weiter gegeben wurde, kann ich ausschließen".

Neben falschen D-Mark-Scheinen und echten Euros sind auch falsche Bankberater unterwegs: 300 000 DM habe ein Trickbetrügerpärchen einer älteren Dame aus dem Raum Freiburg abgenommen, berichtet Arndt Rung, Leiter der Geschäftsstelle Euro des LKA Stuttgart. Ihr wurde weisgemacht, das Geld würde "sicher", d.h. nicht in der instabilen neuen Währung Euro angelegt. Gerade ältere Leute seien autoritätsgläubig und reagierten auf vermeintliche Autoritäten, die ihnen einen Ausweis vorlegten, sagt Gerhard Bereswill vom hessischen LKA. Um solchen Betrügern das Handwerk zu legen, hat das Polizeipräsidium Nordhessen in Zussammenarbeit mit dem Präventionsrat der Stadt Kassel rund und 16 000 Einwohner im Alter über 75 Jahre per Brief vor Euro-Betrügern gewarnt. Eurobetrüger geben sich als behördliche Geldüberprüfer oder Anlageberater aus. Vorsicht ist auch bei Anzeigen geboten, die vorzeitiges Eintauschen in Euro anbieten.

Seltener als Betrüger haben beim Euro bisher Bank- und Werttransport-Räuber zugeschlagen. Die Ausnahme bildet nach Angaben des Bundeskriminalamtes ein Werttransportüberfall am 6.9. in Gießen, bei dem eine Mill. Euro erbeutet wurden. Doch wenn von den rund 63,6 Mrd. Euro, die seit September an die Kreditinstitute geliefert werden, 10 Prozent im November und Dezember an Unternehmen ausgeliefert werden (Subfrontloading) und dazu noch die Starterkits ausgegeben werden, soll bundesweit die Polizeipräsenz verstärkt werden. Teilweise sind spezielle Euro-Streifen, die den Handel und die Banken bewachen, geplant.

Übrigens sind noch nicht alle Verbrecher auf den Euro geeicht: Das LKA München berichtet von einem Täter, der aus einem Banktresor 200 000 DM genommen hat - und 1,5 Mill. Euro liegen ließ.

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